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Thunerseespiele: Sugar – Manche mögen's heiss

Erstellt von wagner
Marilyn-Musical im Regen: Die Musical-Adaption von Billy Wilders Film «Some like it hot» ist diesen Sommer unter dem Titel «Sugar – Manche mögen's heiss» bei den Thunerseespielen zu sehen. Die turbulente Komödie kämpfte an der Premiere gut gelaunt gegen Wind und Wetter – und verlor zehn Minuten vor Schluss: Nobody's perfect.

Am Montag wurde erst gar nicht angefangen, am Dienstag war nach einer halben Stunde Schluss im Gewitterregen, am Mittwoch schliesslich konnte die Premiere des diesjährigen Musicals auf der Thuner Seebühne stattfinden. Im strömenden Regen allerdings auch diesmal während der ersten halben Stunde, und als nach einer weitgehend regenfreien Mitte gegen Schluss sich die Schleusen des Himmels wieder öffneten, brach man kurz vor dem Ende die Vorstellung doch noch ab. Der Schlussapplaus wurde vorgezogen, fiel sehr herzlich, aber auch entsprechende kurz aus: alle – Darsteller wie Publikum – wollten nur noch ins Trockene, aber beide Parteien hatten sich einen herzhaften Applaus verdient: Die Musical-Akteure, die im strömendem Regen Sonne und Optimismus ausstrahlten, in zentimetertiefen Pfützen spritzend tanzten und sich nicht zu schade waren, im Badeanzug Florida-Beach-Life zu mimen, während der kalte Wind die Regentropfen aus allen Richtungen heran blies. Und das Publikum, das in den weissen Regenpelerinen zwei Stunden feucht und frierend ausharrte und sich von den widrigen Verhältnissen die gute Laune nicht verderben liess.

Herzhaft zu lachen gab es immer wieder, unterhaltsam ist sie, die Musical-Adaption des Billy Wilder-Films «Some like it hot», der mit Marilyn Monroe, Tony Curtis und Jack Lemmon in den Hauptrollen zu einer der bekanntesten Hollywood-Komödien wurde. Bis heute ist seine Popularität ungebrochen, gehört die 1959 entstandene Klamottengeschichte von den zwei Musikern, die auf der Flucht vor der Mafia verkleidet in einer Mädchen-Kapelle untertauchen und für allerlei Liebes-Turbulenzen sorgen, zur Allgemeinbildung. 1972 kam am Broadway eine Musical-Adaption heraus, die es immerhin auf 505 Vorstellungen brachte und immer wieder auf Tournee zu sehen war, 2002-03 auch mit dem gealterten Tony Curtis nun in der Rolle des liebeslustigen Millionärs. Der Komponist Jule Styne steuerte die Musik bei, natürlich unter Einbezug des berühmten Songs «I wanna be loved by you», des Evergreens aus dem 20er-Jahren, der in der Filmversion gesungen von Marilyn Monroe endgültig zum Welthit wurde.

Als hätten sie das Wetter des Sommers 2016 vorausgeahnt, haben die Bühnenbildner eine gigantische Muschel auf die Thuner Seebühne gebaut und spielen auch sonst mit allerlei Wasser-Chiffren. Raffiniert lassen sich die verschiedenen Spielorte – Mafia-Garage, Schlafwagen-Kojen, Hotelzimmer, Strand oder Yacht – in diversen Kabäuschen unterbringen, ohne dass der Platz für die grossen Ensemble-Szenen beschnitten würde. Der Regisseur Werner Bauer hält mit handwerklichem Können seine Darsteller in Bewegung, schafft aber auch immer wieder die passende Atmosphäre für die intimeren Momente der einzelnen Lieder. Vor allem aber lässt er mit viel Tempo die Komödie abschnurren, setzt mit gezieltem Timing die Gags und pflegt mit einem auch schauspielerisch ausgezeichneten Ensemble den Sprachwitz der von Peter Ensikat sehr gut übersetzten deutschen Texte.

Für ein Musical stand damit zwar das Schauspiel etwas stark im Vordergrund, was sich schlecht vermeiden lässt, will man die turbulente Filmhandlung einigermassen schlüssig nacherzählen. Immer aber wenn die Musik, die sich gern im Sound der Swing-Ära zeigt, das Zepter übernahm, war das unter der Leitung von Iwan Wassilevski souverän und farbig aufspielende Orchester sofort präsent. Auch sängerisch blieben keine Wünsche offen, Marie-Anjes Lumpp gelang die Marilyn-Pose hervorragend, die süsse Naivität ihrer Figur übernahm sie bruchlos in ihre geschmeidige Stimme. Auch die beiden Herren in Frauenkleidern, Franz Frickel und Maximilian Mann, blieben ihren Partien zwischen Falsett und Bariton, zwischen draufgängerischem Erobern und nachdenklichen Selbstzweifeln nichts schuldig.

Besondere Aufmerksamkeit zog der Schweizer Schauspieler Walter Andreas Müller auf sich, der in der Rolle des alten Millionärs mit Lust auf junge Mädchen schauspielerisch brillierte und überraschend gut auch singend in die Rolle passte. Den berühmt gewordenen Satz «Nobody's perfect», wenn ihm die Angebetete am Ende eröffnet, ein Mann zu sein, konnte er leider nicht mehr sprechen. Auch in Thun war nicht alles perfekt, ganz entschieden am meisten Verbesserungspotenzial aber hat das Wetter im Sommer 2016.

Reinmar Wagner

Weitere Vorstellungen bis 27. August, www.thunerseespiele.ch

Bildlegende:

Die Thuner Marilyn Marie-Anjes Lumpp und ihr Traum von Reichtum und Schönheit.

Nachweis: Thunerseespiele