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Israelisch-arabische Verständigung in Luzern

Erstellt von wagner
In zwei Konzerten präsentierte sich beim Lucerne Festival das israelisch-arabische Friedens-Orchester «West Eastern Divan», das 1999 von Daniel Barenboim gegründet wurde und noch immer unter seiner Leitung steht.

«Identität» heisst das Festival-Thema in Luzern. Und das 1999 vom israelischen Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim und dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said ins Leben gerufene «West-Eastern Divan Orchestra», das aus jungen israelischen und arabischen Musikern besteht, ist ein schönes Beispiel dafür, wie Identität nicht nur etwas Naturgegebenes ist, sondern auch erarbeitet werden kann und durch Offenheit, Respekt und Erfahrung herausgebildet wird.

Einige unter den Orchestermusikern sind schon von Anfang an dabei, wie die Solobratschistin Miriam Manasherov, die in der sinfonischen Dichtung «Don Quixote» von Richard Strauss resolut und virtuos das Bratschensolo spielte, während der österreichisch-persische Cellist Kian Soltani nicht minder souverän den Ritter von der traurigen Gestalt verkörperte.. Besonders beeindruckend am Spiel des jungen Solisten war die grosse Geste mit der er den berühmtesten Verlierer der Literaturgeschichte musikalisch darstellte.

Daniel Barenboim hat im Lauf der Jahre ein Orchester geformt, das über einen sehr kompakten, homogenen und körperlich-intensiven Klang verfügt, das wie ein einziger Organismus reagiert und auch die komplexesten rhythmischen Relationen und subtilsten Tempo-Veränderungen reaktionsschnell aufnimmt und weiterführt und damit ein überaus lebendiges, elastisches Musizieren anbietet.

Auch in der Dynamik verfügt der Klangkörper über eine weite Bandbreite bis hin zur Pianissimo-Etüde im immer noch schön gespannten Streicherklang. Im Forte-Tutti geriet das Klangbild bisweilen etwas massiert, was auch an Barenboims Vorgaben lag, der vor allem in Tschaikowskys epischer fünfter Sinfonie die Melodielinien eher vollschlank als filigran gestaltete. Etwas unterschiedlich aber immer noch beachtlich war das Niveau bei den Solo-Bläsern.

Reinmar Wagner

Bild: Peter Fischli / Lucerne Festival