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Haydn 2032 – Giovanni Antonini und Il Giardino Armonico in Basel

Erstellt von wagner
Virtuoses Schaulaufen für Hörner und alle anderen Instrumente des Orchesters: Auch die Pandemie bremst Basels ambitionierte Haydn-Totale nicht aus: Die «Hornsignal»-Nacht mit Giovanni Antonini gibt’s als Stream.

Es ist immer wieder erstaunlich, welch kreativer Kopf er doch gewesen, dieser Joseph Haydn! Über hundert Sinfonien hat er komponiert, aber man kann daraus auswählen, welche man will, es findet sich immer irgendeine Besonderheit darin. Zum Beispiel die mit Dämpfer singenden Geigen und Oboen im Adagio-Satz der 48. Sinfonie oder der furiose Presto-Beginn der 59. Sinfonie, der mitgeholfen hat, den Beinamen «Feuer-Sinfonie» zu etablieren – und Antonini und die Musiker seines Ensembles «Il Giardino armonico» tun alles, dieses Etikett zu zementieren. Oder das selig wiegende Siciliano im Adagio der Sinfonie Nr. 31, das der Konzertmeister Stefano Barneschi mit einer hinreissenden Mischung aus Virtuosen-Attitüde und leicht hingetupfter Flüchtigkeit in den Saal zauberte, nicht minder delikat sekundiert vom Solocellisten Paolo Beschi. Oder der Schluss-Satz derselben Sinfonie, die als «Sinfonie mit dem Hornsignal» bekannt wurde, in dem sämtliche Instrumente angefangen bei Flöte, Geige und Cello bis hin zum Kontrabass ihren Solo-Auftritt erhalten – ein Schaulaufen natürlich für die virtuosen Musiker dieses renommierten Barock-Ensembles.

Im Mittelpunkt des Abends aber steht das Horn. Als Jagdhorn, wie man das kennt in der Barockmusik, aber auch mit verträumt-schwärmerischen Melodien oder gleich darauf mit den hellen, scharfen Fanfaren von Kriegstrompeten. Auch für das Horn hat Haydn enorm abwechslungsreich komponiert und damit den Spielern einen ganzen Strauss an kniffligen Aufgaben gestellt, die auf dem ventillosen Naturhorn auch an heutige Horn-Cracks höchste Ansprüche stellen. Das kann die vier Hornisten des «Giardino» aber nicht sonderlich aus der Ruhe bringen: absolut bewundernswert wie sie die Herausforderungen meistern!

Es zeichnet dieses Ensemble aus, dass hier die absolut perfekte Beherrschung der historischen Instrumente einhergeht mit einer Homogenität des Ausdrucks und der Klangfarben, die ihresgleichen suchen. 1985 schon hat Giovanni Antonini diesen «Harmonischen Garten» zu beackern begonnen und seither zu einer weltweit gefeierten Konstante orchestraler Originalklang-Kompetenz geformt. Dazu kommt die überaus lebendige Rhetorik, die Antonini jedem Takt von Haydns Sinfonien abzugewinnen versteht: Dramatische Akzente, funkensprühende Energie, weich schmeichelnde Wärme, und immer wieder die Kraft eines spannungsvollen Pianissimo wechseln im Sekundentakt.

2032 feiert die Musikwelt Haydns 300. Geburtstag. Bis dann wollen Antonini und die Basler Haydn-Stiftung, hinter der Christoph Müller und das Kammerorchester Basel stehen, sämtliche 107 Sinfonien Joseph Haydns einspielen. Neun CDs sind beim Label Alpha bereits erschienen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille zum Konzept gehören genauso die Live-Konzert-Erlebnisse in Basel, Wien und Rom, die Haydn in sein musikalisches Umfeld aber auch in die Kunst von heute, in Fotographie und Literatur, einbetten.

Ein weiteres Haydn-Programm aus Basel wird ab 8. Mai auf der Seite des ungarischen Bartok-Festivals (www.bartoktavasz.hu) abrufbar sein. Diesmal spielt das Kammerorchester Basel unter der Leitung von René Jacobs das «Stabat Mater». Das hochkarätig besetzte Solistenensemble bilden Sophie Karthäuser, Sophie Harmsen, Steve Davislim und Arttu Kataja.

Reinmar Wagner

Das «Hornsignal»-Konzert ist auf der Plattform Idagio bis 17. Juli 2021 zum Preis von EUR 10.- abrufbar.

 

 

 

 

 

 

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