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Christina Daletska singt in Nonos «Prometeo»

Erstellt von wagner
Oper, Amnesty und Logik-Puzzles: Die Mezzosopranistin Christina Daletska singt in Luigi Nonos bahnbrechendem Avantgarde-Werk «Prometeo» bei den Zürcher Festspielen.

 

Man konnte dieser vielseitigen, kompletten Mezzosopran-Stimme auf Schweizer Bühnen und Konzertpodien schon einige Male begegnen. Zum Beispiel in Rossinis «Scala di Seta» am Zürcher Opernhaus, im Berner Theater als sie in Bieitos Inszenierung von Händels Oratorium «Il Trionfo del Tempo» stilsicher barock sang, oder erst kürzlich, als sie in Bern in einer sehr klangfarbenreichen Produktion von Janáceks «Schlauem Füchslein» mit glühender Leidenschaft dem verliebten Fuchs ihre Stimme lieh.

Dabei war Christina Daletska, 1984 im westukrainischen Lemberg geboren, auf dem besten Weg zu einer Karriere als Sologeigerin. Aber ihr Herz schlug für die Oper, und so nahm sie ab 2006 in Zürich ein Gesangsstudium auf. Schon 2008 gab sie ihr Bühnendebüt, und das gleich in einer Glanzrolle des Mezzosopran-Repertoires, der Rosina in Rossinis «Barbiere di Siviglia» an einer nicht minder glänzenden Adresse, dem Teatro Real in Madrid. Schon ein Jahr später wurde sie an die Salzburger Festspiele eingeladen. Auftritte an den Opernhäusern von Lyon und Graz, von Zürich, Paris und London folgten bald. Oft hat sie sich für die zeitgenössische Musik eingesetzt, etwa mit Pierre Boulez und dem Ensemble InterContemporain. Und sie wird zum Beispiel in den kommenden Zürcher Festspielen in Luigi Nonos «Prometeo» singen.

So weit klingt alles nach dem geglückten Start in eine Sängerkarriere. Aber Christina Daletska hat noch andere Facetten. Zum Beispiel beherrscht sie sieben Sprachen und fabriziert Logik-Puzzles. Und neben ihren Auftritten als Sängerin nimmt sie sich als Botschafterin von «Amnesty international» auch immer wieder Zeit, sich für die Menschenrechte einzusetzen. Ihr Gerechtigkeitssinn sei schon immer stark gewesen, sagt sie auf der Schweizer Amnesty-Webseite: «Zudem bin ich in einem Land aufgewachsen, wo die Menschenrechte eben noch nicht auf einem angemessenen Niveau sind und die Korruption selbst für ein Kind überall zu spüren war. Ich habe auch eine sehr konsequente Haltung zur Todesstrafe: Ich besuche keine Länder, die sie beibehalten haben. Keine Auftritte für mich in den USA und China also.» Natürlich beschäftigt die Sängerin auch die aktuelle Lage in ihrem Herkunftsland, und sie wünscht sich, «dass die Politiker endlich lernen, «erwachsen» zu sein. Sie müssen verstehen, dass Ereignisse wie die Inhaftierung von Julia Timoschenko oder auch die Kampfszenen aus dem Parlament den EU-Beitritt mit Sicherheit nicht beschleunigen!»

Reinmar Wagner

 

Konzert: Luigi Nono: «Prometeo». Tonhalle Zürich, 2. Juli, 19.30 Uhr

http://www.daletska.com/de/Home.html

http://www.amnesty.ch/de/aktuell/magazin/2013-1/musik-mein-spitzname-war...