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Rasch aus Rattles Schatten

Rasch aus Rattles Schatten

Der finnische Dirigent Sakari Oramo ist seit 2012 Chefdirigent beim BBC Symphony Orchestra

Vor 25 Jahren an einem Januarabend in Helsinki, beim Finnischen Rundfunkorchester, schlug seine Stunde: Sakari Oramo war damals noch Konzertmeister und hatte sein Dirigierstudium bei der finnischen Dirigentenlegende Jorma Panula erst gerade abgeschlossen. 
An diesem Abend sprang er aus dem Stand für einen erkrankten Dirigenten ein, mit so grossem Erfolg, dass er ein Jahr später zum Kapellmeister desselben Orchesters gewählt wurde. Es war der Märchenstart zu einer Traumkarriere des 1965 geborenen Dirigenten: Nur vier Jahre später wurde Oramo – erst 33-jährig – in Birmingham zum Nachfolger 
des weltweit bewunderten Simon Rattle gekürt. Diese schwierige Aufgabe meisterte er mit 
Bravour: Zehn Jahre lang stand er an der Spitze dieses Orchesters.

Aus Rattles Schatten trat er schnell heraus: 
In diesen zehn Jahren in Birmingham schaffte es Oramo nicht nur, die grossen Fussstapfen
Rattles auszufüllen, sondern auch, das Orchester zu verjüngen, seinen Streicherklang aufzufrischen und das Repertoire vor allem mit britischer Musik, etwa der Wiederentdeckung von John Foulds (auch auf CD) zu erweitern. Im Jahr 2003 wurde Oramo Chefdirigent bei seinen früheren Kollegen vom Finnish Radio 

Symphony Orchestra. Mit ihnen interpretierte er zahlreiche Werke von zeitgenössischen finnischen Komponisten, aber etwa auch von Stockhausen und Schönberg, dessen Orchestermusik Oramo in Finnland zum ersten Mal komplett vorstellte.

2006 wurde Oramo auch beim Royal 
Stockholm Philharmonic Orchestra zum Chefdirigenten gewählt. Schon in seiner ersten Saison spielten sie zusammen einen Schumann-Zyklus ein, dem weitere CDs und Tourneen folgten. Inzwischen hat Sakari 
Oramo nicht nur viele der besten Orchester der Welt dirigiert, darunter die Berliner Philharmoniker, das Concertgebouw Orkest Amsterdam oder das New York Philharmonic, sondern sich auch mit seinen Schallplatten-Einspielungen, etwa mit Sinfonien von Sibelius, Mahler oder Elgar, einen ausgezeichneten Ruf erworben.

Die Musik seiner finnischen Heimat liegt Oramo natürlich am Herzen. So erstaunt es kaum, dass er auch in England sogleich die Werke seines grossen Landsmanns Jean Sibelius auf das Programm setzte und alle seine sieben Sinfonien auf CD einspielte. Die Verbindung von hoher Orchesterqualität und Oramos vertieften Kenntnissen über die Stimmungen und Färbungen von Sibelius’ Tonsprache ergaben Einspielungen von hoher Schlüssigkeit und Gültigkeit. «Very distinguished» fand die britische Presse und attestierte Oramos Sibelius «brilliant intensity». Letzte Saison, nun als Chef des BBC Symphony Orchestra, programmierte Oramo erneut einen Sibelius-Zyklus zur Feier der 100-jährigen Unabhängigkeit Finnlands.

Zusammen begleiteten sie auf CD Javier Perianes im Grieg-Klavierkonzert und Yevgeny Sudbin in den Konzerten Nr. 2 & 3 von Rachmaninow. Soeben erschienen ist die Wiederentdeckung der zweiten Sinfonie und der Suiten aus «Antoine et Cléopâtre» des französischen Spätromantikers Florent Schmitt beim Label Chandos. (rw)

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