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m&t meilenstein

Im zarten Alter von 15 Jahren dirigierte Riccardo Chailly erstmals ein Werk von Strawinsky. Fortan sollte ihn dessen Œuvre kontinuierlich begleiten, und in der Tat hat er bis heute von keinem anderen Komponisten derart viele Werke eingespielt. Anlässlich des 50. Todestages von Strawinsky hat Decca nun alle diese Aufnahmen aus den Jahren 1979 bis 2017 erstmals in einer Box versammelt. Ein Juwel.

Dass mit Chailly ein aussergewöhnlicher Strawinsky-Interpret von sich zu reden machen begann, wurde bald einmal evident. Bereits seine allerersten Einspielungen von 1979, damals für Dischi Ricordi und in der vorliegenden Box mit eingeschlossen, imponieren durch ein rhythmisch ungemein agiles und klanglich feinhöriges Dirigat. Und als Ende der 1980eroder Anfang der 1990er-Jahre die englische Musikzeitschrift «Gramophone» einen kritischen Überblick über sämtliche damals wichtigen Einspielungen des «Sacre du printemps» publizierte, wurde der Aufnahme von Chailly mit dem Cleveland Orchestra aus dem Jahr 1985 der erste Preis zuerkannt. Nachvollziehbar bis heute: Es ist eine der faszinierendsten, vitalsten und klanglich souveränsten Interpretationen des «Sacre» geblieben, die Chaillys späterem Remake mit dem Lucerne Festival Orchestra von 2017 wohl vorzuziehen ist.

Etliche Werke Strawinskys hat Chailly im Laufe seines künstlerischen Werdegangs wiederholt aufgenommen, und sie sind als willkommene Doubletten alle in dieser Edition präsent. Das erlaubt einen Einblick in Chaillys Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Orchestern und in deren klangliche Traditionen. Kein Zweifel, das Cleveland Orchestra galt seinerzeit als das Strawinsky-Orchester Nummer eins. Einmal mehr aber darf man auch staunen über die klanglich luxuriöse Farbpalette, die das Concertgebouw Orchestra unter Chailly für Strawinsky mobilisierte. Einige der Aufnahmen, Konzertmitschnitte zumeist, hat das orchestereigene Label RCO Live hier dankenswerterweise beigesteuert. Und nach dem «Feuervorgel», auch nach «Petruschka» könnte man süchtig werden – ungemein transparent und gleichzeitig unverhohlen lustbetont interpretiert, andrerseits Kammermusik vom Feinsten, jedenfalls dort, wo es die Partitur vorsieht, und insgesamt von einem mitreissenden, schlagkräftigen Drive durchpulst.

Werner Pfister

Strawinsky Edition. Concertgebouw Orchestra, Cleveland Orchestra, Radio-Symphonie-Orchester Berlin, London Sinfonietta, Lucerne Festival Orchestra; Dirigent: Riccardo Chailly.

Decca 4851367 (11 CDs)

 

 

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