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m&t meilenstein

Reinmar Wagner

Bisher hat er um Wagner eher einen Bogen gemacht, der deutsche Bariton Matthias Goerne. Da waren mal ein paar Tannhäuser-Takte auf einer Arien-CD. Umso gewichtiger ist, was eine der profundesten Stimmen im deutschen Liedgesang jetzt zu Wagner zu sagen hat. Zuerst prägte er den aktuellen, aus Hongkong stammenden «Ring» des Labels Naxos, der beim «Siegfried» angelangt ist. Und noch viel eindrücklicher präsentiert er sich zusammen mit Daniel Harding und dem Schwedischen Radio-Sinfonieorchester in den schönsten Bass- und Bariton-Partien aus Wagners Opern: «The Wagner Project» heisst die Doppel-CD, die Monologe werden dabei von orchestraler Musik aus den jeweiligen Opern umrahmt.

So hören wir einen nachdenklichen, ganz auf die Mittel der Sprache konzentrierten Hans Sachs im «Fliedermonolog» oder einen noblen König Marke, ohne künstlich aufgeregte Entrüstung. Grossartig singt Goerne den Wotan in der berührend zärtlich ausgeformten Liebes-Erklärung an seine Walküren-Tochter. Den Holländer-Monolog wiederum belässt er nicht in bloss düster-dämonischen Tönen, sondern charakterisiert den Verdammten auch mit zarten, lyrischen Farben als echt leidenden, verzweifelten Menschen auf der Suche nach Erlösung, ebenso wie er in der Lage ist, die vielschichtigen Stimmungslagen des kranken Gralskönigs Amfortas mit den Mitteln von sehr eindringlich und lebensecht auszudrücken.

Goernes dunkles Timbre passt ausnehmend gut zu diesen Figuren und Szenen, die von Verrat und Verhängnis und vor allem von der Sehnsucht nach Erlösung künden. Klug setzt er die Farben seines beneidenswert intakten Baritons ein, spart das Metall in der Stimme für besondere Momente. Fehlen darf natürlich nicht das «Lied an den Abendstern» von Wolfram aus dem «Tannhäuser». Auch hier spannt Goerne wunderschön weite Linien in einem hellen, lyrischen Piano, das immer durchsichtig bleibt, aber nie kraftlos wird.

Und Daniel Harding an der Spitze des Schwedischen Radio-Sinfonieorchesters, dessen Chef er seit zehn Jahren ist, dirigiert sehr durchsichtig, klanglich sensibel, aufmerksam in der Gestaltung der Mittelstimmen und kontrapunktischen Linien, zurückhaltend im Gebrauch des Vibratos, klar in der Phrasierung und Akzentuierung, kein bisschen pauschal oder lärmig und in den Tempi angenehm zügig. Und das Orchester zeigt sich in lupenreinen Bläsersätzen und einem kompakten Streicherklang ebenfalls von seiner besten Seite.

 

Wagner: Vorspiele und Szenen aus
verschiedenen Opern. Matthias Goerne
(Bariton), Schwedisches Radio-Sinfonieorchester,
Daniel Harding.
Harmonia Mundi 902250.51 (2 CDs)

Ausgabe: 01 - 2018