Syndicate content


studio

Antonín Dvorˇák: «Dumky»-Trio, Klaviertrio op. 65. Trio Wanderer.

 

m&t meilenstein

Reinmar Wagner

Dreissig Jahre Weltspitze in unveränderter Besetzung, überhäuft mit Preisen und enthusiastischen Kritiken, eine umfangreiche Diskografie, die sowohl die Säulen des Standard-Repertoires für Klaviertrio umfasst wie mit einigen Abstechern zu wenig gespielten Werken punktet: Das 1987 in Paris gegründete Trio Wanderer ist ein Massstab was die Musik für Klaviertrio betrifft. Zur Feier ihres 30. Geburtstags haben die drei Franzosen nun Dvorˇáks populäres «Dumky»-Trio, das damals ihre erste Aufnahme war, angereichert durch die Erfahrung unzähliger Konzert-Aufführungen, erneut eingespielt.

Es kommt vor, dass eine Interpretation unter diesen Umständen immer extremer wird, dass versucht wird, die musikalischen Details, die einem wichtig und kostbar geworden sind, möglichst deutlich und demonstrativ herauszustreichen. Und natürlich will man technisch absolut perfekt spielen, was manchmal zu einem etwas sterilen, glatten Ergebnis führen kann. Beiden Gefahren ist das Trio Wanderer in dieser Einspielung elegant ausgewichen. Natürlich spielen sie technisch auf höchstem Niveau, aber sie haben auch mal einen klanglich burschikosen Satzabschluss ungeglättet stehen gelassen, bemühen nicht immer den rundesten Streicherklang oder erlauben sich kleine rhythmische Ungleichgewichte, die bei aller Geschlossenheit der Interpretation frisch und agil wirken. Die Geige von Jean-Marc Phillips-Varjabédian wandelt sich wie ein Chamäleon vom Virtuosentiger zum subtilen Schilderer verschatteter Nachdenklichkeit und zurück zum Jahrmarktgeiger, das Cello von Raphaël Pidoux changiert gekonnt zwischen blühendem Singen, fahlen Nachtstimmungen oder Tanz-Bass-Begleitung, das Klavier von Vincent Coq setzt gekonnt Akzente und überrascht im Hervorheben filigraner Details. Die Vielfalt der Ausdrucksbereiche ist denkbar gross, die Stimmungen wechseln quasi mit jedem Takt, und dadurch wirkt dieses Spiel sehr spontan, wie aus dem Moment erfunden, musikantisch und in keiner Weise demonstrativ.

Gleiches gilt für die Interpretation des weniger bekannten, aber nicht minder gut komponierten Klaviertrios op. 65, das Dvorˇák sieben Jahre früher geschrieben hatte. Die Nähe zu Brahms ist hier noch sehr viel stärker spürbar, die Unmittelbarkeit tschechischer Volksmusik, die die Stimmungen im «Dumky»-Trio prägt, wird hier noch zurückgehalten zugunsten thematischer und motivischer Durchdringung in der deutschen romantischen Tradition.

Ausgabe: 03 - 2017