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• J. S. Bach: Kantaten für Solosopran (BWV 204, 199, 1127). Dorothee Mields (Sopran), L’Orfeo Barockorchester, Michi Gaigg.

 

m&t meilenstein

Reinmar Wagner

 

«Ich bin in mir vergnügt» heisst eine der Solokantaten für Sopran von J. S. Bach. Und exakt so geht es uns auch, wenn wir Dorothee Mields auf ihrer neuen CD mit drei Bachkantaten für diese Besetzung zuhören, zwei davon fürstliche Huldigungen aus Bachs Weimarer Zeit, eine in Leipzig, im Umfeld des Amtes als Thomaskantor, entstanden: Ihre klare, helle Stimme passt sehr gut zu den instrumental geführten Gesangslinien in Bachs Kantaten, und weil Dorothee Mields über eine unaufgeregte, aber deutliche Diktion verfügt und sie immer auch subtil einsetzt, sind die Worte stets verständlich, ohne, dass – wie das manche Liedsänger gerne pflegen – mit den Konsonanten allzu viel Bedeutungsbrimborium betrieben wird. Überhaupt gehen diese Interpretationen nie in irgendwelche Extreme, weder in den Tempi, in der Dynamik, noch in den Akzentuierungen und Phrasierungen, und wirken gerade dadurch plastisch und rund. Das gilt auch für die hervorragende Begleitung durch das L’Orfeo Barockorchester von Michi Gaigg. Die Oboen erhalten in dieser Auswahl ebenso schöne Gelegenheiten, sich auszuzeichnen wie Soloflöte und die obligate Viola; und das Continuo besticht durch eine zuverlässige Gelassenheit, die sich nicht durch arpeggierende Eskapaden auf die Äste hinaus lässt, sondern vergleichsweise schlicht und klangfarblich beständig begleitet. Eine dieser Kantaten, BWV 1127 «Alles mit Gott und nichts ohn’ ihn», hat eine bewegte Geschichte: Gleich zweimal entging sie knapp dem Flammentod, 1774 dem Brand des Weimarer Schlosses, 2004 demjenigen der Anna-Amalia-Bibliothek. Bis dahin wusste niemand, dass diese etwas obsessiv repetitive Arie mit Ritornell von Bach stammte, erst 2005 erkannte der Bach-Forscher Michael Maul dessen Handschrift.

Die Stimme von Dorothee Mields ist gleich auf einer weiteren CD-Neuheit zu hören, und auch da passt sie hervorragend: Vögel zwitschern beim Blockflötisten Stefan Temmingh an allen Ecken und Enden, in allen Schattierungen der barocken Bild- und Klangsprache kommen Nachtigall und Kuckuck aber auch Rabe und die Henne lautmalerisch virtuos zur Sprache. Timminghs Flöte trillert nach Herzenslust, dem Sopran kommen zwischendurch auch nachdenkliche oder reizvoll erotische Töne und Texte von den Lippen.

Ausgabe: 01/02 - 2016