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Mozart-Konzert

Mozart-Konzert

Im Dezember war Martin Fröst mit Mozarts Konzert bereits in der Schweiz zu hören, zusammen mit dem Basler Sinfonieorchester unter Ivor Bolton. Den Saal zum Kochen aber brachte er vor allem mit seiner Zugabe: Sie weint und schreit und schluchzt, die Klarinette von Martin Fröst, sie jubelt und hebt ab zu atemberaubenden Skalenläufen und virtuosen Girlanden, wenn der schwedische Klarinettenzauberer in seiner Klezmer-Zugabe über die Bühne tänzelt wie ein Schlangenbeschwörer.

Diese musikantisch-virtuose Tour de Force stammt von Frösts jüngerem Bruder Göran und gehört – inklusive des T.S. Elliot-Zitats über Zeit und Zukunft, Vergangenheit und Vergänglichkeit, das Fröst in lupenreinem Deutsch vortrug – zu «Retrotopia», einem jener «komponierten» Konzertprogramme, mit denen Martin Fröst unterdessen vielerorts für Aufsehen gesorgt hat: Kombinationen ganz verschiedener Musikstile aus allen Epochen, verbunden mit Texten, theatralischen Elementen und neuen Technologien, eine Art «Gesamtkunstwerk», mit dem der schwedische Klarinettist eingefahrenen Hörgewohnheiten entgegenwirken will.

In Basel ist ihm das fulminant gelungen. Schon davor aber, in Mozarts zu Recht berühmtem Klarinettenkonzert, bewies Fröst die Vielseitigkeit seines Instruments – auf der etwas grösseren und tieferen Bassettklarinette, für die Mozart dieses Werk komponierte. Selbst im manchmal fast mythisch verklärten Adagio zelebrierte er nicht einfach die pure Schönheit von Klang und Linie, sondern fand immer wieder agogische Feinzeichnungen und vielfältige dynamische Nuancen.

Reinmar Wagner

Ausgabe: -