Syndicate content


Memorie indimenticabili

Memorie indimenticabili

Die Tränen der Trauer um Nello Santi waren noch nicht getrocknet – schon erreichte uns die nächste Hiobsbotschaft, erneut aus dem Reich der Oper: Mirella Freni starb am 9. Februar 84-jährig, in ihrer Heimatstadt Modena. Welche Sternstunden aus dem Opernhimmel hat uns die italienische Sopranistin in ihrer langen, fünfzigjährigen Karriere geschenkt!

Ihr Gesang rührte immer an die Seele, ohne je sentimental verkitscht zu sein. Und das in vielen Rollen, die durchaus dieser Gefahr ausgesetzt sind – ob als anrührende Mimi, als abgrundtief traurige Desdemona, als würdevoll ihrer Liebe entsagende Elisabetta. Und so weiter. Was waren das für Opernfeste, als wir nach Mailand an die Scala pilgerten, etwa zu jenem legendären, von Claudio Abbado dirigierten und von Giorgio Strehler inszenierten «Simon Boccanegra», mit der Freni als Dogentochter Amelia! Ebenso wie zu ihrer «Don Carlo»-Elisabetta unter Karajan in Salzburg und später auch in Wien. Oder wie unvergleichlich gestaltete sie das traurig unausweichliche Schicksal Desdemonas, mit Karajan in Salzburg oder unter Carlos Kleiber an der Mailänder Scala sowie in München. Alles unvergessliche Sternstunden, die Mirella Freni uns schenkte, stets mit grandiosen Kollegen an ihrer Seite! Die Liste der Erinnerungen liesse sich fortsetzen.

Mirella Freni strahlte auf und neben der Bühne immer menschliche Wärme und Liebenswürdigkeit aus, sie war authentisch. Auch darum war sie ihrem Publikum immer nahe. Und wurde rund um den Opernglobus so geliebt und verehrt wie kaum eine andere Sängerin. Dankbar halten wir uns an jenen Trost, dass es zahlreiche exemplarische Einspielungen ihrer grossen Partien gibt, welche die Erinnerung an diese unvergleichlich silberklare, warme Stimme, an diese grosse Künstlerin lebendig und wach halten. Andrea Meuli

Ausgabe: -