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Bild: Dominic Büttner

Lena-Lisa Wüstendörfer

 

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Im August wurde sie in Zürich aufgenommen, nun ist sie beim Label Schweizer Fonogramm bereits erschienen, die erste CD von Lena-Lisa Wüstendörfer mit dem von ihr gegründeten Swiss Orchestra. Die Zürcher Dirigentin begeht dabei – so wie in ihren Konzerten – keine ausgetretenen Pfade, sondern nimmt sich eines bisher noch nie eingespielten Repertoires mit unbekannten Werken von Schweizer Komponisten an. Zu hören ist auf der CD zum einen die Sinfonie in Es-Dur op. 9 von August Walter (1821 – 1896). Walter, in Stuttgart geboren, wirkte ab 1846 in Basel als Musiklehrer und Dirigent und hatte grossen Einfluss auf das Musikleben der Rheinstadt. Dieser unbekannten romantischen Sinfonie wird Joachim Raffs op. 66 gegenübergestellt: «Traumkönig und sein Lieb», der Vokalpart ist mit der Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis prominent besetzt.

Nicht nur die Wiener Festwochen wünschen sich «gemeinsam mit Künstler*innen und Kulturschaffenden, dass die Kunst so rasch wie möglich wieder einen zentralen Platz in unserer Gesellschaft einnimmt». Um die Vorfreude auf diese hoffentlich bald sich normalisierende Zeit zu nähren, präsentiert das traditionsreiche Wiener Frühjahrsfestival bereits jetzt erste wichtige Programmpunkte. Ins Auge fällt dabei, dass Milo Rau seine erste Oper inszenieren wird. Seine Inszenierung von Mozarts «La clemenza di Tito» wird als «radikal» und als «eines der wichtigsten Ereignisse der nächsten Festivaledition» angekündigt.

Julien Chavaz, 1982 in Bern geboren, wurde Anfang Dezember vom Stadtrat der Landeshauptstadt Magdeburg zum neuen Generalintendanten des Vierspartenhauses gewählt. Der 38-jährige Schweizer tritt auf die Spielzeit 2022/2023 die Nachfolge von Karen Stone an, der Vertrag wurde für fünf Jahre ausgestellt. Der derzeitige Intendant der Neuen Oper Fribourg (NOF), Schweiz, schaut zuversichtlich auf die neue Herausforderung: «Besonders reizt mich, am Theater Magdeburg eine spartenübergreifende Ästhetik und eine moderne Theaterauffassung dem Publikum anzubieten. Die Nachwuchsförderung und die Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern werden dabei eine zentrale Rolle spielen.» Mit dieser Vision überzeugte Chavaz offensichtlich die prominente Findungskommission mit Ulrich Khuon, Dietmar Schwarz, Iris Laufenberg und Klaus-Peter Kehr. Als Assistent hat Chavaz mit namhaften Regisseuren an Produktionen in der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und den USA mitgewirkt und in den vergangenen Jahren eigene Produktionen über die Schweiz hinaus auf die Bühne gebracht. In Fribourg machte er insbesondere mit einer weitherum beachteten Inszenierung von Händels «Acis und Galatea» auf sich aufmerksam.

Kaum war er da, hat er sich schon wieder verabschiedet: Xoán Castiñeira , als Nachfolger für den nach Lugano zum Orchestra della Svizzera italiana (OSI) wechselnden Christian Weidmann nach Aarau engagiert, verlässt die argovia philharmonic nach wenigen Monaten. Seinen Entscheid begründet er mit seiner Erkenntnis, die finanziellen Voraussetzungen zur Erreichung der hochgesteckten Ziele und damit die erwünschte Gestaltungsfreiheit seien nicht gegeben. Dennoch wird Castiñeira in engem Kontakt mit dem Chefdirigenten Rune Bergmann die künstlerische Planung der Saison 2021/2022 noch mitgestalten.

Mit Simon Müller hat man auch bereits einen Nachfolger gefunden in Aarau. Müller ist seit einigen Jahren für die Zuger Sinfonietta tätig, vorerst als Geschäftsführer, seit 2018 als Intendant mit der künstlerischen und administrativen Verantwortung für das ganze Orchester- und Konzertmanagement. Simon Müller wird seine neue Aufgabe bereits im Frühjahr 2021 antreten. Mit ihm wird die argovia philharmonic ihre erste Saison in der neu als Konzertsaal nutzbaren Alten Reithalle bestreiten.

Die musikalische Zusammenarbeit der Jungen Deutschen Philharmonie mit Jonathan Nott als ihrem Ersten Dirigenten und Künstlerischen Berater geht in eine weitere Verlängerung: Der 57-jährige Engländer verlängerte seinen Vertrag um zwei weitere Jahre bis 2024. Nott hat diese Position seit 2014 inne und wird nun auch das 50-Jahre-Jubiläum des Orchesters begehen.

Andreas Reize, Leiter und Gründer des Cantus Firmus Consorts und der Schlossoper Waldegg, Leiter der Singknaben Solothurn und weiterer Chöre sowie Erster Gastdirigent für Barockoper beim Theater Biel-Solothurn, soll Thomaskantor werden. Das jedenfalls schlägt die Findungskommission der Stadt Leipzig vor. Die Wahl muss noch vom Leipziger Stadtrat bestätigt werden, was nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe (am 16. Dezember) erwartet wird. Zum ersten Mal würde somit ein Ausländer, und noch dazu ein Katholik, Nachfolger von J. S. Bach an der Spitze der Thomaner. Als eine absolute Sensation wird das von lokalen Journalisten bezeichnet. Reizes hohe pädagogische Fähigkeiten, seine Erfahrung als Leiter der Singknaben Solothurn, seine Fähigkeit, wie ein Trainer und Vorbild zu motivieren, werden als Hauptgründe für diesen Vorschlag genannt. Zudem habe Reize als Dirigent eine «glänzende Figur» gemacht. Andreas Reize wird diese prestigeträchtige Stelle auf dem Stuhl von J. S. Bach ab September 2021 antreten und Nachfolger des dann in Pension gehenden Gotthold Schwarz werden.

Daniel Harding wird Conductor in residence beim Orchestre de la Suisse Romande. Der 45-jährige Brite übernimmt diese Position – neben Chefdirigent Jonathan Nott – für zwei Spielzeiten von 2021 bis 23. Geplant sind besondere Projekte in einer fixierten Zeitspanne. Erst im September dieses Jahres hatte Harding das Orchester erstmals dirigiert. Unlängst wurden zwei CDs eingespielt, darunter die beiden Violinkonzerte von Sibelius und Barber mit dem Geiger Renaud Capuçon.

Mitten im Corona-Winter präsentiert das Gstaad Menuhin Festival seine Sommerpläne 2021. Yehudi Menuhins Wahlheimat London, in der sich seine musikalische Identität entwickelte und wo er den beiden «Titanen» der englischen Musik Elgar und Britten begegnete, steht im Zentrum des nächsten musikalischen Sommers im Saanenland. Von den Komponisten Dowland über Purcell, Händel zu Elgar, Britten und einer Uraufführung von Thomas Adès bis zu Musik von Queen und den Beatles reicht das Spektrum dieser Weltstadt der Musik. Die im Sommer 2020 abgesagte Huldigung an die Musikstadt Wien wird 2022 nachgeholt. zumindest versucht man, eine Mehrzahl der geplanten Konzerte doch noch nach Gstaad zu holen.

Ausgabe: 01 - 2021