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editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Die International Classical Music Awards (ICMA) haben etwas für sich, was anderen Preisen oft abgeht: Sie sind wirklich unab­hängig. 17 Medien aus 56 Ländern vergeben diese Preise, sie bilden die Jury. Eine Jury, die in ihren Zeitschriften, Rundfunksendern oder auf ihren Online-Plattformen das Musikgeschehen während eines Jahres mit Leidenschaft verfolgt und nicht mit der Ton­trägerindustrie verbandelt ist. Daraus resultiert ein weites Spektrum, nationale musikalische Präferenzen lassen sich nicht zu einem Award durchboxen. Zur Nomination oder gar zum Gewinn in einer der zahlreichen Kategorien verhelfen am Schluss allein künstlerische Leuchtkraft und Einzigartigkeit.

Über zwei Auszeichnungen dieses Jahres freue ich mich besonders. Einmal über jene für Manfred Honeck als «Artist oft the Year». Das deshalb, weil mit diesem Preis ein Musiker von beharrlicher Bescheidenheit, aber mit grosser Ausstrahlung geehrt wird. Und weil die Konzerte und Aufnahmen des österreichischen Dirigenten mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra alle einen besonderen Geist spüren lassen: Ein Feuer, welches der Kunst existenzielle 
Bedeutung und geistige Tiefe zugesteht. Der zweite Award, den ich hervorheben möchte, betrifft das Orchestra della Svizzera Italiana (OSI). Der – seit dem schrittweisen Rückzug der SRG als Träger –
in seiner Existenz bedrohte traditionelle Klangkörper hat mit 
seinem Chefdirigenten Markus Poschner einen ebenso lebendigen wie kammermusikalisch luziden Brahms im Geiste der traditionsreichen Meininger Hofkapelle, zu der Brahms ja eine besondere Beziehung pflegte, auf DVD eingespielt. In unserer M&T-Sonderausgabe zum neuen Kulturzentrum LAC in Lugano im Sommer 2016 beleuchteten wir die Rolle des OSI als wichtiger Pfeiler des Kulturlebens in der italienischen Schweiz. Dass der leidenschaftliche Einsatz aller Beteiligten für das Überleben dieses Orchesters nun künstlerisch solchen Widerhall findet, kann – und muss – 
ihnen den Rücken stärken.

Herzlich,

Ihr Andrea Meuli

PS. Sie erinnern sich: Unsere Hamburg-Reise im April war ausgebucht, kaum war sie ausgeschrieben. Viele unserer treuen Leserinnen und Leser mussten wir daher enttäuschen. Für sie – wie für Sie alle – sind wir daran, ein ebenso hochkarätiges Programm mit einem sinfonischen Höhepunkt in der Elbphilharmonie – für Anfang Oktober auszuarbeiten. Sobald die Karten definitiv bestätigt sind, werden wir diese Reise publizieren

Bereits in dieser Ausgabe bieten wir Ihnen zudem die Möglichkeit, an einer Reise teilzunehmen, die wir gleichzeitig auch als Leser­reise für die Abonnentinnen und Abonnenten der Tageszeitung «Südostschweiz» anbieten: Verdi in der Arena di Verona, ergänzt durch ein vielseitiges kulturelles und kulinarisches Rahmen­programm. Ich freue mich auf viele Begegnungen mit Ihnen!

Ausgabe: 03 - 2018