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editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Gleich zwei neue Filme widmen sich Florence Foster Jenkins. Ja, genau, das ist die Sopranistin, die auch siebzig Jahre nach ihrem Tod wegen ihrer schrecklich falschen Töne noch rund um den Globus bekannt ist. Ein Spielfilm mit Meryl Streep in der Titelrolle und Hugh Grant als Ehemann ist kürzlich in die Kinos gekommen. Gleichzeitig widmet sich ein dokumentarischer Streifen dem Leben dieser ganz besonderen amerikanischen Ikone. Hier verkörpert die Mezzosopranistin Joyce DiDonato die furchtlose Sängerin, die sich schliesslich mit einem Konzert in der ehrwürdigen Carnegie Hall Hohn und Spott eines sensationslüsternen Publikums aussetzte – und kurz darauf starb. Ob aus Gram über ihren hämisch kommentierten New Yorker Misserfolg? Lesen Sie dazu die Meinung von Joyce DiDonato in dieser Ausgabe. Wir trafen sie anlässlich der Schweizer Premiere ihres Films in Zürich zum Gespräch. Dabei manifestiert sich – wie übrigens im Film selber – eine vielschichtigere Sicht auf diese Persönlichkeit, die meist zur Lachnummer reduziert wird. Dabei ist alles viel komplexer – vielleicht war Florence Foster Jenkins in ihrer Fantasiewelt erfolgreicher und glücklicher, als wir heute annehmen. Mag sein, dass diese Stimme in ihrer entrückten individuellen Welt den Raum mit wunderbaren Klängen erfüllte und sie beglückte.

Ich weiss, es ist ein abgedroschenes Klischee, dem ein Hauch Wahrheit dennoch nicht abzusprechen ist: Wie oft zieht es uns in die Ferne, dass wir darob den Reiz unserer näheren Umgebung schon gar nicht mehr beachten? Dem möchten wir mit unserer Leserreise vom nächsten Frühling in den Tessin entgegenwirken. Auch hier gibt es Spektakuläres zu entdecken, wie das vor anderthalb Jahren eröffnete neue Kulturzentrum LAC. Wir haben diesem neuen Zentrum im letzten Herbst eine Sonderausgabe von «Musik & Theater» gewidmet. Und in dieser Ausgabe berichten wir über die erste Eigenproduktion von Daniele Finzi Pasca, der hier mit seiner internationalen Truppe als Compagnia in Residence die Zelte aufgeschlagen hat. Ich freue mich, mit Ihnen vom 31. Mai bis 3. Juni im akustisch exquisiten Konzertsaal der Cellistin Sol Gabetta zu begegnen oder die grosszügigen Räume des neu hier beheimateten Kunstmuseums zu erkunden. Ausserdem wandeln wir auf Hermann Hesses Spuren in Montagnola, statten Marianne Werefkin und ihren Malerfreunden in Ascona einen Besuch ab, und geniessen ein spektakuläres Weingut, gebaut von Mario Botta. Aber lesen Sie selbst alle Details dieser Frühlingsreise in den Tessin auf den Seiten 6 und 7! Und denken Sie daran, wir können nur eine beschränkte Zahl Gäste mitnehmen. Wenn ich Ihre Lust geweckt habe, zögern Sie Ihre Anmeldung daher nicht zu lange hinaus!

Ich wünsche Ihnen wunderbare Festtage und einen schwungvollen Start in ein neues Jahr!

Herzlich, Ihr

Andrea Meuli

Ausgabe: 01 - 2017