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studio

lebendige vergangenheit

Reinmar Wagner

Müssen Klavierduos Geschwister sein wie die Pekinels oder die Labèques? Oder mindestens Ehepaare wie Soós-Haag oder Tal-Groethuysen? Duos wie GrauSchumacher oder auch Martha Argerich mit Nelson Freire beweisen, dass es auch ohne Bluts- oder Ehebande geht, aber schädlich sind Verständnis und Vertrautheit im Klavierduo bestimmt nicht. Güher und Süher Pekinel sind sogar eineiige Zwillinge, und es ist tatsächlich so, dass immer wieder die Homogenität ihres Spiels und ihrer Interpretationshaltungen, die blinde Verständigung untereinander hervorgehoben wird, wenn über ihre Auftritte berichtet wird. Sie selbst sehen das auch so, sprechen von «telepathischer Kommunikation» und stellen ihre beiden Klaviere im Gegensatz zu den Kollegen gerne hintereinander auf, was akustisch natürlich Vorteile hat, aber die Verständigung normal geborener Musiker nicht gerade fördert.

Die 1956 in der Türkei geborenen, in Deutschland aufgewachsenen Schwestern spielen als Klavierduo, seit sie sechs Jahre alt sind, und haben in ihrem Musikerinnen-Leben nur wenige nicht gemeinsame Taten vollbracht. Ihre Duo-Karriere wurde einst durch Karajans Einladung nach Salzburg befeuert und hat sie überallhin geführt, wo man klassische Musik hören mag. Jetzt haben sie ihre bemerkenswertesten Veröffentlichungen in einer schön gestalteten Box zusammengefasst: 7 CDs, 4 DVDs (oder 2 Blu-Ray-Discs) sind für «Treasures» zusammengekommen, alles neu remastered und angereichert mit einem 100-seitigen Buch.

Es ist nicht einfach eine mechanische Zusammenstellung der bisher erschienenen Ton- und Bildträger – dafür wäre die Box um einiges dicker geworden – sondern eine Auswahl, die sich an den wesentlichsten Wegmarken dieses Klavierduos ausrichtet. Legendär ist zum Beispiel die Bearbeitung der sinfonischen Tänze aus der «West Side Story», die Bernstein für sie anfertigte. Hier aber sind sie zu hören und zu sehen von einem (bisher nicht veröffentlichten) Auftritt beim Borusan Festival in Istanbul von 2015 mit zwei Perkussionisten der Berliner Philharmoniker. Im gleichen Programm die irrwitzig schwierigen Pa­ganini-Variationen von Lutoslawski und die Sonate für zwei Klavier und Schlagzeug von Bartók, beides ebenfalls Markenzeichen der Pekinels, ebenso wie ihre Auftritte mit dem Jacques Loussier Trio, mit dem sie Konzerte für mehrere Klaviere und weitere Musik von Bach aufnahmen.

Das Bartok-Konzert gibt es mit Zubin Mehta aus Florenz, Bach wahlweise mit Loussier und Colin Davis, mit dem auch das Konzert für zwei Klaviere von Mozart K 365a enthalten ist. So weit die gefilmten Auftritte (die Hälfte wahlweise auch auf Blu-Ray statt DVD). Die sieben neu zusammengestellten CDs bieten teilweise dasselbe Repertoire aus älteren Einspielungen und zeigen einen ziemlich repräsentativen Querschnitt durch die Arbeit der Schwestern. Die Rezitals umfassen etwa Strawinskys «Sacre du Printemps», die Beethoven-Variationen von Saint-Saëns, einiges von Ravel und viel Brahms, die Konzert-Aufnahmen umfassen erneut Bach, diesmal mit dem ZKO unter Howard Griffiths, sowie Mozart und Mendelssohn mit Marriner.

 

Güher und Süher Pekinel: «Treasures».
Arthaus 109366 (4 DVD, 2 BR, 7 CD)

Ausgabe: 05 - 2019