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oper

Bild: Christian Palm

Johannes Martin Kränzle: «Die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft wird nach der Krise schwieriger werden.»

 

Wie der Bariton Johannes Martin Kränzle die erzwungene Corona-Pause erlebt
«…ich habe auch geflucht beim Lernen!»
Don Pasquale am Zürcher Opernhaus war seine letzte Rolle, dann fiel der Vorhang für Johannes Martin Kränzle. Corona zwang 
ihn wie alle an irgendeiner Bühne tätigen Menschen nach Hause. Seit unserem Gespräch Ende Mai haben sich die Perspektiven wieder etwas aufgehellt: Der Saisonbeginn mit der Rückkehr für «Boris Godunow» nach Zürich scheint gesichert. Und unverhofft und ungeplant kam in der Zwischenzeit mit dem Don Alfonso in Mozarts «Così fan tutte» doch noch eine Festspielaufgabe hinzu. Statt in Bayreuth wie vorgesehen nun in Salzburg.
Johannes Martin Kränzle als Don Pasquale am Opernhaus Zürich.

Andrea Meuli

«Was bleibt, ist sozusagen ein Jahr Lernen für die 
eigene Reifung»

«Ich bin sehr demutsvoll, dass es nochmals so 
gekommen ist»

M&T: Was ist derzeit schwieriger, sich psychisch und geistig aufzurichten oder sich stimmlich fit zu halten?

Johannes Martin Kränzle: (Lachend)… das ist ja eine schwierige Frage zum Einstieg! Das psychische Aufrichten geht bei mir insofern gut, da ich sehr viel Zeit mit meiner Frau zu Hause verbringe und ich damit eigentlich in einer sehr guten mentalen Verfassung bin. Mir geht natürlich die Oper ab, zumal in dieser Ungewissheit, wie lange das so anhält und ob bald einmal wieder ein regulärer Opernbetrieb möglich sein wird. Aber es gibt genug andere wichtige Dinge im Leben, und auch die Musik eröffnet viele Möglichkeiten zu Hause. Wir sind beide Geiger und spielen ab und zu Duette, wir schauen uns französische Filme an, wozu wir früher nicht gekommen sind – es gibt viele schöne Dinge, die man bewusst erleben kann, wenn man für einmal während längerer Zeit zu Hause ist und nicht von Ort zu Ort und von Wohnung zu Wohnung zieht, wie wir das ansonsten gewohnt sind.

M&T: Das klingt ja nach einer richtigen Heim­idylle...

Johannes Martin Kränzle: (Lacht) …das mag sein, obwohl es bloss eine Wohnung in Frankfurt und kein Schloss mit einem grossen Park ist. Der Garten geht mir ab, ich muss mich mit einem Balkon begnügen…

M&T: Und wie steht es um die vokale Fitness?

Johannes Martin Kränzle: Das Fitmachen für das Singen hat mir interessanterweise nie Probleme gemacht. So, dass, wenn die Aufgaben wieder kommen, meine Stimme dafür bereit ist. Und jetzt, in diesen Wochen, da die Stimme nicht gefordert ist, lerne ich sehr viel mental, schaue mir künftige Partien an und gucke Noten durch.

M&T: Das mag helfen, um nicht in eine depressive Grundstimmung hineinzufallen…

Johannes Martin Kränzle: … natürlich war das jetzt schade, ich hatte für diese Zeit mehrere interessante Projekte und auch szenisch ganz neue Rollen auf meinem Kalender. Sukzessive wurden die Dinge abgesagt – nicht unbedingt einmal in der Reihenfolge, in der sie geplant waren. Die einen haben frühzeitig entschieden, andere wollten nicht aufgeben und stemmten sich gegen die Absage. Man hing daher so in der Luft.

M&T: In diesen Tagen hätten Sie in Hamburg – als Produktion der Staatsoper in der Elbphilharmonie – die Titelrolle in Messiaens «Saint François d’Assise» verkörpern sollen. War nun die ganze Vorbereitung, das Einstudieren dieser anforderungsreichen Partie vergebens?

Johannes Martin Kränzle: Vergebens ist es ja nicht, weil man sich mit der tollen Literatur beschäftigen konnte. Aber es ist, zumindest vorerst, rein vom Berufsleben her vergebens, da die Produktion in den nächsten zwei, drei Jahren nicht nachgeholt werden kann. Was bleibt, ist sozusagen ein Jahr Lernen für die eigene Reifung…

M&T: Der ganze Festspielsommer – bei Ihnen Bayreuth – ist auch gelaufen. Wie sieht es mit dem Saisonauftakt Ende September in Zürich aus? Da ist ja Ihr nächstes Rollendebüt als Rangoni in Mussorgskys «Boris Godunow» vorgesehen.

Johannes Martin Kränzle: Ich hoffe noch, dass das stattfinden kann. Bisher habe ich auch nichts Gegenteiliges gehört.

M&T: Sie haben also die Partitur noch nicht weggelegt…

Johannes Martin Kränzle: … im Gegenteil! Gerade war ich dabei, den Text abzutippen – auf Kyrillisch in dem Fall –, woraus ich mir jeweils eine Eins-zu-eins-Übersetzung herstelle, auch mit Hilfe. Damit war ich gerade beschäftigt, sozusagen prophylaktisch. Ohne zu wissen, was daraus noch werden könnte. Doch vergebens ist es ja nie, sich mit diesen tollen Stoffen, mit dieser wunderbaren Literatur zu beschäftigen. Man lernt ja dabei.

 

Inzwischen ist es geklärt: Das Opernhaus Zürich spielt diese Premiere. Mit der ganzen grossen Orchester- und Chorbesetzung. Allerdings nicht aus dem Orchestergraben und von der Bühne, sondern live zugeschaltet aus dem zu einem Aufnahmestudio umgebauten Orchesterproberaum am Kreuzplatz. Das Opernhaus orientiert sich dabei an einem Verfahren, das die Bregenzer Festspiele seit Jahren erfolgreich praktizieren.

M&T: Das sind dennoch frustrierende Momente. Einen Saint François zum Beispiel bekommt man nicht alle Tage angeboten…

Johannes Martin Kränzle: Natürlich ist es frustrierend, aber ich bin dann auch so gestrickt, dass ich das Ganze für mich emotional abhake, wenn eine Absage einmal definitiv da ist.

M&T: Sie haben sich in der Corona-Krise als prominenter Vertreter der Sängerinnen und Sänger exponiert, indem Sie öffentlich machten, was vielen – das gilt für alle freischaffenden Künstlerinnen und Künstler – mit der Schliessung der Theater, Opernhäuser und Konzertsäle weggebrochen ist. Inzwischen sind zwei Monate vergangen. Hat sich die Situation verändert?

Johannes Martin Kränzle: Das ist wohl regional und von Land zu Land verschieden. Was ich in den ersten Wochen gerade von mehreren Schweizer Bühnen gehört habe – etwa dem Schauspielhaus Zürich, den Theatern von Basel, Biel, Bern –, verdiente ein sehr gutes Zeugnis. Was mir an Mitteilungen zukam, so haben diese Bühnen ihre Künstler sehr gut vergütet. In Deutschland präsentierte sich die Situation wegen unseres Föderalismus wesentlich chaotischer. Dafür gibt es verschiedenste Gründe. Und mir scheint es an jedem Haus ein bisschen anders zu sein. Einige haben spontan und sehr hilfsbereit reagiert, andere bis heute gar nichts kommuniziert – oder sie verstecken sich hinter der pauschalen Aussage, eine Auszahlung sei grundsätzlich rechtlich nicht möglich. Rechtlich ist alles recht schwierig, und wenn man mit einem Gastvertrag unbedingt zu seinem Geld kommen will, müsste man wahrscheinlich klagen. Und das macht die einzelne Sängerin oder der einzelne Sänger dann doch nicht. Dieser Weg, als Einzelner gegen eine Institution zu klagen, wäre mühsam und langwierig – davor schreckt man zurück.

M&T: Hat sich in den letzten Wochen und Monaten etwas am Bild der Künstlerin, des Künstlers in der Gesellschaft verändert?

Johannes Martin Kränzle: Leider sogar polarisierend, denke ich. Die Kommentare etwa, die man in den Medien auf den offenen Brief verschiedener Künstlerinnen und Künstler an die Kulturstaatsministerin Monika Grütters zu lesen bekam, waren schauerlich – mit dem Grundtenor: «Kunst brauchen wir nicht, weshalb will man dafür überhaupt Geld ausgeben?!» Natürlich hatten den Brief Prominente von Anne-Sophie Mutter bis Christian Goerne unterzeichnet, allerdings mit dem expliziten Anspruch, sich vor allem auch für alle die weniger bekannten und daher existenziell bedrohten Künstler einzusetzen. Nach mehr als zwei Monaten ist die Situation für uns überhaupt nicht besser, weil nach wie vor ungewiss bleibt, wie lange diese Krise andauern wird. Von mir kann ich sagen, dass ich bisher von keinem Theater bezahlt wurde. Da wird es natürlich für ganz viele von Monat zu Monat finanziell enger. Das gilt durchaus nicht nur für Menschen in prekären finanziellen Verhältnissen. Wenn Sie über Monate überhaupt kein Einkommen haben, wird es für jeden schwierig. Und die Aussichten sind auch nicht gerade ermutigend. Ich denke, die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft wird nach der Krise schwieriger werden. Weil immer bei finanzieller Knappheit die Kultur einer der gefährdetsten Bereiche ist. Da können rasch jene Stimmen Gehör finden, die immer wieder danach rufen, wie überflüssig Kultur sei.

M&T: Wird die Theater- und Opernszene in fünf Jahren fundamental anders aufgestellt sein? Oder wird sie wieder so sein können, wie wir sie von vorher kennen?

Johannes Martin Kränzle: Natürlich wäre es zu wünschen, dass sie sich wieder so beruhigt und wieder so wird, wie sie vorher war. Es macht sicher auch einen Unterschied aus, in welches Land man schaut. Ganz grosse Sorgen haben die Südeuropäer, zumal die Italiener – wo die ganze Kunstszene ohnehin schon vorher sehr vernachlässigt wurde. Da gibt es – wenn wir bei der Oper bleiben – nur mehr wenige Häuser, die überhaupt einen regelmässigen und finanziell einigermassen gesicherten Betrieb haben. Das könnte sich nochmals verstärken, dass noch mehr Theater abgewickelt werden. In der Schweiz könnte ich mir vorstellen, dass die Situation noch am stabilsten bleibt, weil die einzelnen Theater gut über das ganze Land verteilt und in ihren Regionen verankert sind. In Deutschland befürchte ich, dass die Diskussion wieder aufkeimen könnte, ganz kleine Häuser zu fusionieren. Allerdings hoffe ich nicht, dass es dazu kommt! Ob die Theaterszene sich sonst verändern wird, ist schwierig vorherzusehen. Künstlerisch werden die Reak­tionen auf diese Krise wohl erst in zwei, drei Jahren zu sehen sein. Alle diese kastrierten Versionen, die jetzt – natürlich notgedrungen – überall aus dem Boden schiessen, können ja kein Ersatz sein, die ermüden mich.

M&T: Lassen wir die gegenwärtige Krise mal ruhen und werfen einen Blick auf die Liste Ihrer
gesungenen Partien: Sie ist ausgesprochen lang und ebenso vielseitig. Was waren und sind die Kriterien für Sie, eine Partie anzunehmen?

Johannes Martin Kränzle: Da muss man unterscheiden. Ganz am Anfang einer Karriere kann man sich die Dinge ja überhaupt nicht aussuchen. Danach war ich fast dreissig Jahre im Festengagement – da machen natürlich viele kleinere Rollen diese lange Liste aus. Partien wirklich auszuwählen – das kam erst in den letzten rund zehn Jahren. In denen man sich zu artikulieren begann, welche Partie einen reizen würde und welche Rolle man doch eher nicht singen möchte. Wenn ich die Wahl habe, dann möchte ich mir immer eine Partie suchen, die nicht bloss musikalisch reizvoll, sondern auch szenisch interessant ist. Es hat mich auch nie gereizt, auf ein einziges Fach festgelegt zu werden. Es ist schon fast zwanzig Jahre her, da gab es eine Zeit, in der ich sehr viel klassische Operette gesungen habe – Eisenstein, Danilo – und auch ein Angebot bekam, fest an die Wiener Volksoper zu gehen. Hätte ich damals nicht bewusst dagegen gesteuert, wäre ich in Gefahr geraten, in dieser Ecke des Repertoires eingeengt zu werden. Aber ich entschied mich, lieber noch etwas länger in Hannover zu bleiben und dafür etwa einen Billy Budd zu singen. 2013 war dann überall Wagner angesagt: «Ring» mit Alberich da und dort oder Beckmesser… Wenn man da nicht aufpasst, wird man ganz schnell auf einige wenige dieser Partien festgelegt. Da habe ich immer sehr darauf Acht gegeben, dass immer mal wieder dazwischen ein Mozart sein musste. Auch wenn es an einem kleineren Haus war. Hauptsache, die Stimme bleibt für ganz andere vokale Anforderungen beweglich.

M&T: Und das hat funktioniert?

Johannes Martin Kränzle: Ja, wenn man immer dabei bleibt. Ich habe auch stets Lieder gesungen und mache das heute noch. Ich denke, das muss gehen – alles andere wäre schade. So war es doch auch in der Vergangenheit. Wenn wir in die Fünfziger- bis Siebzigerjahre zurückblicken, haben die grossen Sänger doch alle ihre Fächer breit abgedeckt. In den letzten dreissig Jahren hat sich das etwas verschoben, dass die Leute auf wenige Partien fixiert wurden, Schallplattenaufnahmen haben wohl auch dazu beigetragen.

M&T: Mit Donizettis Don Pasquale haben Sie sich nun noch in ein Fach gewagt, das ein Höchstmass an stimmlicher Agilität verlangt…

Johannes Martin Kränzle: (Lachend) … ich habe auch geflucht beim Lernen!

M&T: Ja, so ein Duett wie jenes mit Malatesta ist nicht ganz einfach und gespickt mit sprachakrobatischen Tücken…

Johannes Martin Kränzle: Da kann man verzweifeln, sage ich Ihnen ehrlich… Diese rasanten Stellen müssen so lange geübt werden, dass man über nichts mehr nachdenken muss! Dieses Zürcher Angebot kam für mich doch eher unvermutet, und natürlich freute ich mich darüber. Dennoch überlegte ich mir zuerst, ob diese Partie für mich und meine Stimme passen könnte, denn ich hatte die Rolle stimmlich doch eher schwer und dunkel gefärbt in Erinnerung. Doch dann wurde mir nahegelegt, mir doch mal Sesto Bruscantini anzuhören – er war ja ein grosser Pasquale, und das als Bariton. Als ich hörte, wie hell und flink er diese Rolle angeht und wie grossartig er gestaltet, da wusste ich, dass in einem solchen Interpretationsansatz auch eine grosse Kraft für die Rolle stecken kann. Daher wagte ich es und dachte, so meinen eigenen Weg dazu vielleicht auch zu finden.

M&T: Wie wichtig für einen solchen Entscheid sind die künstlerischen Partner, seien es Regisseure oder Dirigenten?

Johannes Martin Kränzle: Im Falle dieses Zürcher «Pasquale» war es so, dass der Regisseur mich explizit gewünscht hatte. Manchmal fehlt einem jedoch dieser persönliche Kontakt, und man kennt weder den Dirigenten, noch den Regisseur. Dann lasse ich mich immer darauf ein – jedes erste Mal ist auch eine Chance –, jemanden kennenzulernen. Es gibt vielleicht ein, zwei Regisseure – Dirigenten eigentlich überhaupt keine –, bei denen ich sagen würde: Die muss ich jetzt nicht unbedingt noch einmal haben. Was vielleicht sogar auf Gegenseitigkeit beruht. Mir ist jedoch wichtig, zunächst für jedes Konzept offen zu sein und nicht mit einer vorgegebenen Meinung an eine Rolle heranzugehen.

M&T: Es gehört zu Ihrem künstlerischen Profil, als ungemein wandelbarer Darsteller wahrgenommen zu werden. Entsteht eine neue Partie in Ihrer Vorstellung bereits als Bühnenfigur?

Johannes Martin Kränzle: Seit vier, fünf Jahren habe ich mir angewöhnt, nicht mit den Noten zu beginnen, sondern zunächst nur den Text zu lesen. Wenn man nur den Text liest, hat man ganz andere Gedanken, als wenn man schon die Musik dazu hört und damit bereits in einer bestimmten Farbe drin ist. Mich interessiert es, was der Textdichter sich gedacht hat. Das kann einen dazu bringen, die Musik an manchen Stellen etwas anders zu interpretieren, als man es schon hunderttausendmal in einer Art Konvention gehört hat. Da stosse ich auf manche Überraschungen, die mir Spass machen. Später kommt dann die Musik dazu, die Arbeit mit dem Korrepetitor – aber noch ohne szenische Vorstellungen, wie das auf der Bühne aussehen könnte.

M&T: Nach Ihrer schweren, lebensbedrohenden Erkrankung stand auch mit der Wiedergenesung keineswegs fest, dass Sie in Ihrer Karriere gleichsam bruchlos da anknüpfen konnten, wo Sie vorher gestanden hatten. Wie haben Sie den Wiedereinstieg ins Singen und – in einem zweiten Schritt – in die professionelle Bühnenkar­riere angegangen und erlebt?

Johannes Martin Kränzle: Es war wie ein Wunder und ein Geschenk. Es sah ein Dreivierteljahr nach der Transplantation nicht so aus, als ob ich überhaupt noch einmal würde singen können. Ich bekam grosse Probleme mit entzündeten Schleimhäuten, und auch durch das Kortison habe ich die Stimme verloren. Die Krankheit war ja auch so schlimm, dass es erst einmal nur ums Überleben ging. Nach neun Monaten habe ich dann ganz sachte begonnen, bei mir zu Hause wieder Unterricht zu geben. Da ist mir aufgefallen, als ich das Kortison absetzen konnte, dass ich den Studenten gewisse Stellen wieder vorsingen konnte – dass die Stimme wieder ansprang. Dann ging es sehr schnell, einen Monat später begannen bereits die szenischen Proben in London als Alfonso in Mozarts «Così fan tutte».

M&T: Das muss ein mutiger Entscheid gewesen sein.

Johannes Martin Kränzle: Ich habe zuvor tatsächlich sozusagen nichts gesungen. Einmal habe ich mit meiner Frau das tolle Terzett angesungen, um zu sehen, ob die Stimme anspricht – und da gab es keine Beeinträchtigung der Stimme. Und so bin ich zu den ersten Proben einfach mal gefahren. Das Theater war bei dieser Wiederkehr sehr generös und hat mir bis zum letzten Moment die Rolle freigehalten. Auch der Regisseur wusste, dass ich körperlich nicht allzu sehr belastbar war. Trotzdem war unsicher, ob ich sechs Stunden Proben an einem Tag schaffen würde. Das war natürlich ein vorsichtiger Wiederbeginn, wobei die Rolle nicht idealer hätte sein können. Das hat dann auch so gut geklappt, dass es mir Mut machte für die darauf folgenden Aufgaben.

M&T: Und dann ist alles wieder wundersam angelaufen…?

Johannes Martin Kränzle: Ja, ich konnte dann genau jene Rollen wieder singen, die ich vor Ausbruch der Krankheit gesungen hatte, Alberich zum Beispiel. Andernfalls hätte ich nicht lange weitergemacht. Wenn ich merke, der Körper kann das nicht mehr leisten, dann bin ich der Erste, der sich zurückzieht und nicht durch einen Mitleidbonus mitgezogen werden möchte. Ich bin wirklich sehr demutsvoll, dass es nochmals so gekommen ist. ■

Ausgabe: 07 - 2020