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musik

01) ICMA-Präsident Rémy Franck mit den Trophies.

 

Glanzvolle ICMA-
Gala in Ankara
Die fünften International Classical Music Awards (ICMA) wurden am letzten Märzwochenende in Ankara vergeben. Höhepunkt dabei war das Galakonzert mit dem heimischen Bilkent Symphony Orchestra, dem zahlreiche mit einem Award ausgezeichnete Künstler Glanz verliehen.

Andrea Meuli

 

Die türkische Hauptstadt Ankara war Ende März Gastgeberin der ICMA-Gala. Genauer, das Bilkent Symphony Orchestra als Teil einer – privat finanzierten – kulturellen Einrichtung, die sich eine umfassende musikalische Förderung auf die Fahne geschrieben hat, von der Basis-Musikschule bis zum Stolz eines eigenen Sinfonieorchesters. Für diesen Abend kehrte der frühere Chefdirigent Isin Metin an die Spitze des Orchesters zurück. Doch für die ersten Glanzlichter sorgten zwei Pianisten: Die chinesisch-französische Pianistin Zhu Xiao-Mei gab mit der Aria aus Bachs «Goldberg-Variationen» eine kurze Kostprobe ihres unvergleichlich sensiblen und geradezu vergeistigten Bachspiels, und Evgeni Koroliov bedankte sich mit dem Andantino aus Schuberts Sonate A-Dur D 959 für den ICMA-Award in der Kategorie «Soloinstrument». Den schwungvollen Orchesterauftakt lieferte Adam Fischer mit der Ouvertüre zu Mozarts «Le nozze di Figaro», vor Energie schier berstend und auf dramaturgisch schlüssige Phrasierungen bedacht wie immer.

Dieser Mozart baute eine Brücke zu den beiden «Young Artists oft the Year», der belgischen Sopranistin Jodie Devos und dem in Wien lebenden russischen Geiger Yury Revich. Mit ihrer klar und schlank geführten Stimme, die sie in der sogenannten Glöckchenarie aus Delibes «Lakmé» bestens präsentieren konnte, begeisterte sie das Publikum in Ankara. Ein Ausschnitt aus Bernsteins «Candide» zeugte danach von der Bühnenpräsenz wie vom komödiantischen Talent der jungen Sängerin. Opernvirtuosität stand auch bei Yuri Revich auf dem Programm, wenn auch instrumental auf die Spitze getrieben. Sarasates «Carmen»-Fantasie bot dem Geiger alle Gelegenheiten, seine technischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Nach der Pause sorgten zwei weitere Geiger sowie zwei Gäste am Pult des Bilkent Symphony Orchestra für weitere Glanzlichter. Der zweite Konzertteil begann jedoch mit Witold Lutoslawskis expressiver Entrada zu seinem Konzert für Orchester, von Alexander Liebreich mit grosser Ruhe und Übersicht sowie genauem Sinn für die enormen Klangballungen dirigiert. Anschliessend erklangen zwei Sätze aus dem Violinkonzert des 1991 verstorbenen polnisch-britischen Komponisten Andrzej Panufnik. Der Geiger Alexander Sitkovetzky kniete sich mit Leidenschaft und instrumentaler Abgeklärtheit sowohl in die expressive Ruhe wie in die exaltierte tänzerische Rhythmik des Schlusssatzes.

ICMA-Artist of the Year ist 2015 Christian Tetzlaff. Wie berechtigt diese Auszeichnung ist, dokumentierte der deutsche Geiger an diesem Abend mit einer fulminanten Interpretation des Schlusssatzes von Schostakowitschs spätem zweitem Violinkonzert, geprägt von einer sich förmlich in die Musik hinein beissenden Intensität und schierer Wut. Ein weiterer grandioser Höhepunkt dieser ICMA-Gala. Für den letzten sorgte der mit dem Lifetime Achievement Award ausgezeichnete russische Dirigent Dmitrij Kitajenko, von 1990 bis 2004 auch Chefdirigent des Berner Sinfonieorchesters. Mit drei Ausschnitten aus den Tschaikowsky-Ballettmusiken zu «Schwanensee» und «Nussknacker» bewies Kitajenko einmal mehr seine Fähigkeit, jedem Orchester ein Maximum an Klangentfaltung zu entlocken, ohne ein Stück künstlich aufzublähen. Viel Applaus für alle Beteiligten dieser ICMA-Gala 2015 in der türkischen Hauptstadt!

Die ICMA-Ceremony und -Gala 2016 finden Anfang April im baskischen San Sebastian statt, das im kommenden Jahr als Kulturhauptstadt Europas fungiert.■

 

Alle Gewinner der ICMA-Awards 2015 
publizierte M&T in der Ausgabe 3/4 
(Seiten 55 bis 57).

Ausgabe: 05/06 - 2015