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musik

Dame Felicity Lott, ICMA-«Lifetime Achievement Award» 2016.

 

Die International Classical Music Awards (ICMA) 2016 mit ihrer Gala in San Sebastian
Gala in San Sebastian
Die International Classical Music Awards (ICMA) 2016 wurden Anfang April in San Sebastian vergeben. Die damit verbundene Zeremonie sowie das Galakonzert standen im Rahmen der Aktivitäten von San Sebastian als Kulturhauptstadt Europas. Mehrere der mit einem Award geehrten Künstler traten in diesem Konzert des Baskischen Nationalorchesters unter Jun Märkl solistisch auf, unter anderen die britische Sopranistin Felicity Lott, der Posaunist Christian Lindberg, der Pianist Javier Perianes, die Blockflötistin Michala Petri und der Cembalist Mahan Esfahani oder der junge spanische Cellist Pablo Ferrández.

Andrea Meuli

 

Die ICMA waren dieses Jahr mit ihrer Award-Ceremony und dem damit verbundenen Galakonzert im nordspanischen San Sebastian zu Gast. Die baskische Küstenstadt fungiert 2016 als Kulturhauptstadt Europas. Das ganze Konzept an Aktivitäten in diesem Rahmen wolle keine oberflächliche Reihe an Veranstaltungen mit prestigeträchtigen Projekten und grossen Namen bieten, sondern versuche tiefer zu greifen, Begegnungen der unterschiedlichsten Art zu initiieren und fruchtbar zu machen, erläuterte Pablo Berástegui, der Direktor von Donostia 2016: «Wir versuchen die lokalen Veranstalter und Institutionen einzubeziehen und den Reichtum eines vielfältigen Nebeneinanders zu zeigen. Wir glauben an diese Strategie, sie scheint uns nachhaltiger für die Stadt und die Region.» Dieser Glaube an eine selbstbewusste wie selbstverantwortliche Gesellschaft soll Energien freisetzen und so in die Zukunft hinein wirken. Als eine dieser «Conversations», dieser Begegnungen, wurde die ICMA-Gala 2016 von der traditionsreichen baskischen Küstenstadt und dem hier beheimateten Nationalorchester Euskadi übernommen.

ICMA-Gala 2019 im KKL Luzern

San Sebastian ist nach Tampere, Nantes, Mailand, Warschau und Ankara bereits die sechste Stadt, welche diesen Anlass durchführte. Und die Zahl der Interessenten für die kommenden Jahre ist gross. Bereits stehen die Gastgeberstädte bis 2020 fest, im nächsten Jahr wird es Leipzig mit dem Gewandhausorchester sein, und 2019 machen die ICMA erstmals in der Schweiz Station. Das Luzerner Sinfonieorchester ist dabei Gastgeber und bestreitet das Galakonzert im KKL.

Dieses Jahr war die Reihe also an San Sebastian. Die baskische Kulturmetropole zeigte sich dabei ebenso gastfreundlich wie musikbegeistert. Im spektakulär an die Atlantikküste platzierten Palacio de Congresos y Auditorio «Kursaal» von Rafael Moneo wohnten am 1. April über 1500 Leute dem ICMA-Galakonzert 2016 bei. Das Baskische Nationalorchester, das , wurde dabei von seinem derzeitigen Chefdirigenten Jun Märkl geleitet.

Davor präsentierte ICMA-Präsident Rémy Franck die Award-Zeremonie, bei der in den verschiedenen Kategorien an Künstler wie Dame Felicity Lott, Jordi Savall, Christian Lindberg, Pablo Ferrández, Nikolai Song, Merk Lewon, Michala Petri & Mahan Esfahani, Lukasz Dlugosz, Christopher Nupen, die Berliner Philharmoniker, das Gewandhausorchester Leipzig sowie an das Label Harmonia Mundi verliehen. Special Awards gingen an Palazetto Bru Zane und das Label Genuin für ihre Edition der Pianistin Dinorah Varsi.

Von Corelli bis Cage

Das anschliessende Galakonzert mit dem Baskischen Nationalorchester unter seinem musikalischen Leiter Jun Märkl brachte solistische Begegnungen mit einer ganzen Reihe von ICMA-Gewinnern 2016. Den Auftakt machte der «Young Artist of the Year» Pablo Ferrández mit einer ebenso lyrisch ausgehorchten wie leidenschaftlichen Wiedergabe des Kopfsatzes von Antonin Dvoráks berühmtem Cellokonzert. Daran schloss «Discovery Award»-Gewinner Nikolai Song mit seiner farbfunkelnden und wunderbar entspannt vorgetragenen Interpretation von Cécile Chaminades Flötenkonzert op. 107 an. Christian Lindberg, «Artist of the Year», überraschte das Publikum als witzig subtiler Performer eines Solostücks von John Cage, und der polnische Flötist Lukasz Duglosz kostete die perlenden Läufe von Krzysztof Pendereckis Solokonzert für sein Instrument aus. Den Schlusspunkt unter den ersten Teil setzte Dame Felicity Lott, ausgezeichnet mit dem «Lifetime Achievement Award» 2016, mit zwei Arien von Jacques Offenbach, und gab damit eine Kostprobe ihres feinen gestalterischen Sinns und musikalischen Humors.

In eine ganz andere Welt führten nach der Pause Michala Petri und Mahan Esfahani mit Arcangelo Corellis Sonate «La Follia» für Blockflöte und Cembalo, sie verzauberten mit einer fantasievollen und dichten Atmosphäre. Der französische Pianist David Violi spielte als Vertreter für den «Special Award»-Gewinner Palazzetto Bru Zane den ersten Satz von Marie Jäells zweiten Klavierkonzert, einer hochromantischen Repertoirerarität. Den fulminanten Schlussakzent setzte Javier Perianes und begeisterte mit einer gleichermassen virtuosen wie perlend klaren Wiedergabe von Maurice Ravels G-Dur-Klavierkonzert das Publikum. Der spanische Pianist repräsentierte dabei das ICMA-«Label of the Year» Harmonia Mundi.

Die ICMA-Ceremony und das dazu gehörende Galakonzert 2017 finden am 1. April 2017 im traditionsreichen Gewandhaus in Leipzig statt. Das dort beheimatete Gewandhausorchester wird spielen.■

 

Alle Gewinner der ICMA-Awards 2016 publizierte M&T in der Ausgabe 3/4 dieses Jahres (Seiten 42 bis 44)

Ausgabe: 05 - 2016