Syndicate content


Einige Höhepunkte aus dem Festival-Programm

Bild: Astrid Karger

 

Einige Höhepunkte aus dem Festival-Programm

 

• Toshio Hosokawas Monodrama «The Raven» mit Christina Daletska, dem Arditti Quartett (Bild) und weiteren Musikern eröffnet das Festival auf unheimliche Weise. Charles Ives’ visionäre Klänge («The unanswered Question», «Three Places in New England») mit der Basel Sinfonietta unter Baldur Brönnimann setzen einen weiteren Höhepunkt. Edgar Allan Poe beschrieb 1845 in seinem Gedicht den Prozess des Zusammenbruchs der modernen Welt als Konsequenz einer «Invasion» dieser Welt durch ein seltsames Tier, das in einer anderen Dimension lebt – den Raben. Den japanischen Komponisten Toshio Hosokawa erinnerte diese Schilderung an japanische Nô-Theaterstücke. «Deren Blick auf die Welt ist nicht anthropozentrisch; einige der Hauptcharaktere im Nô sind vielmehr Tiere und Pflanzen, andere sind übernatürliche Geister.»

• «Drift» – eine Klang-Installation. In dieser Live-Installation «für bewegten Erdklang & Ensemble» werden Echtzeit-Messdaten des Schweizerischen Erdbebendienstes in Klang umgewandelt. Dazu improvisieren die Festivalmusiker einmal pro Tag.

• Das Hyper Duo überführt im Innenraum der Monbijoubrücke täglich eine instabile, durch seismografische Daten gesteuerte Licht- und Klanginstallation in einen stabilen Zustand.

• Die Erde bebt – und die Musik versucht, etwas von dieser Intensität erfahrbar zu machen. Der Renaissancekomponist Antoine Brumel und der Japaner Toshio Hosokawa haben dazu einzigartige Kompositionen entworfen. Brumel verlässt in seiner Messe die vertraute Vierstimmigkeit und erweitert bzw. verdichtet den Satz zur Zwölfstimmigkeit – seine einzigartige Missa war um 1500 eine Seltenheit. Sie hat auch nach einem halben Jahrtausend nichts von ihrer Kraft verloren. Der Gedanke der bebenden Erde verbindet sich hier mit der Musik von Hosokawa, der sich seit der Katastrophe von Fukushima in mehreren Werken mit dem Thema beschäftigt, etwa in seiner Oper «Stilles Meer», aus der hier das Perkussionszwischenspiel zu hören ist. Das Arditti-Quartett spielt ausserdem sein jüngstes Streichquartett «Passage», eine Musik zwischen Traum und Realität.

• «mágma klaffôn». Alte und Neue Musik treffen hier aufeinander. Musikalische Schichten und Brüche interagieren mit Videoprojektionen und Raumgestaltung. Pascal Schärli verbindet und umspielt das bestehende Repertoire von Scelsi oder Gesualdo durch Bearbeitungen und Neukompositionen für Streichensemble und Elektronik. Ein klangliches Spiel mit Dichte und Atmosphäre, Schichten und Brüchen interagiert mit den Videoprojektionen und der Raumgestaltung des Künstlerinnen-Duos «Geckeis & Walz».

• «Tetras». Selbst im Streichquartett kann es zu klangtektonischen Verschiebungen kommen, wenn etwa Iannis Xenakis Klangmassen aufeinander loslässt, oder Brian Ferneyhough unterschiedliche Abläufe überlagert. Niemand spielt das souveräner als das Arditti-Quartett, die auch das neuste Quartett des Briten James Clarke mitbringen.

• «Many many Oboes». Fünf Oboen-Instrumente und neue und sehr neue Musik für sie von Barblina Meierhans, Hosokawa, Daniel Glaus, Heinz Holliger und Matthias Arter, der zum Festivalthema «Tektonik» ein neues Stück «Klangkugel» geschrieben hat.

• Rund um das «Dies Irae» der Russin Galina Ustwolskaja hat Patricia Kopatchinskaja mit der Camerata Bern und BernVocal ein szenisches Konzertprogramm zusammengestellt, in dem Musik von Scelsi und Crumb, aber auch von Dowland, Lotti und Biber aufeinandertrifft.

Ausgabe: -