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studio

die überraschung

Attila Csampai

Die heute als «Klarinettenkonzert» in A bekannte letzte Konzertarbeit Mozarts ist ursprünglich nicht für die normale A-Klarinette, sondern für die etwas tiefere Bassettklarinette komponiert worden. Trotzdem haben die Klarinettisten dieses Gipfelwerk längst für sich annektiert. Die mächtige Katalog-Konkurrenz scheint den 39-jährigen Franzosen Julien Hervé aber nicht weiter zu belasten, denn er schafft es mit spielerischer Leichtigkeit und in einer seltenen Kombination aus lockerer Unbekümmertheit und hochkonzentrierter Sensibilität, die Zärtlichkeit und Innerlichkeit dieses einzigartigen Meisterwerks zum Glänzen zu bringen, und uns so das Mysterium des späten Mozart, in all seiner Entrücktheit, Melancholie und Schönheit neu erleben zu lassen. Durch den Einsatz der Bassettklarinette wird auch die klangliche Disposition des Soloinstruments plausibler: denn es wechselt ja durchaus opernhaft ständig die Stimmlagen zwischen Sopran und Bariton, und kreiert den zärtlichen Wortwechsel eines fiktiven Liebespaars. Für das pulsierende dramatische Fundament dieses ätherischen Abschieds sorgt das wunderbar mitfühlende, mitatmende Rotterdam Philharmonic unter dem Spanier Gustavo Gimeno. Der anrührende Zauber des Konzerts findet seine kammermusikalische Fortsetzung in der ähnlich intensiven, geradezu körperhaft plastischen Deutung des Klarinettenquintetts, bei dem Julien Hervé von vier exzellenten Streichersolisten unterstützt wird.

 

Mozart: Klarinettenkonzert KV 622,
Klarinettenquintett KV 581, Quintettsatz
B-dur KV-Anhang 91. Julien Hervé
(Bassettklarinette), diverse Streichersolisten;
Rotterdam Philharmonic
Orchestra, Gustavo Gimeno.
NoMadMusic NMM067

Ausgabe: 03 - 2020