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die überraschung

Werner Pfister

Als Gewinnerin des Ersten Preises sowie des Mozart-Preises beim Concours Géza Anda 2018 kam Claire Huangci in die Schlagzeilen des Musikfeuilletons. Kein Zweifel, die knapp 30-jährige Pianistin verdient Aufmerksamkeit. Denn ihre Pianistik ist ebenso staunenswert ausgefeilt und tieflotend wie ihr stilistisches Empfinden. Auf ihrer neuen Einspielung wartet sie gar mit einer Überraschung auf: mit dem Klavierkonzert op. 17 von Paderewski. Musik, die weitab von nur hohlem Geklingel ist; Musik also, die durchaus Substanz hat – wenn man sie denn zu meistern vermag. Claire Huangci greift in die Vollen, spart nicht mit virtuosem Zugriff – als würde sie mit der Pranke Paderewskis spielen. Das begleitende Orchester lässt sich von so viel Temperament hörbar inspirieren und spielt mit bemerkenswertem Engagement. Besonders schön im zweiten Satz die kammermusikalischen Solostellen mit Klavier, Violine und Cello – das erinnert von ferne an den zweiten Satz von Tschaikowskys zweitem Klavierkonzert. Aber auch Rachmaninow steckt in Paderewskis Musik – und zuweilen ein Anklang an Mozart. Das erste Chopin-Konzert hat es da schwieriger: Zu erdrückend ist die Konkurrenz, vor allem auch, was die Orchesterbegleitung anbelangt, die hier doch etwas gar pauschal und wenig klangsensibel ausfällt. Aber Claire Huangci zeigt sich auch hier auf der Höhe ihrer Interpretationskunst und präsentiert insgesamt einen betont feinfühligen Chopin.

 

Paderewski: Klavierkonzert a-Moll op. 17;
Chopin: Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll. Claire
Huangci (Klavier), Deutsche Radio
Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern,
Shiyeon Sung.
Berlin Classics 0301096

Ausgabe: 01 - 2020