Syndicate content


studio

die enttäuschung

Nur weil eine Stimme möglicherweise in Zukunft tatsächlich das Potenzial für eine gewisse Rolle haben könnte, sollte man vielleicht doch davon Abstand nehmen, sie gleich in einer Aufnahme für alle Ewigkeit festzuhalten. Das ist in dieser «Freischütz»-Produktion aus Frankreich gleich in den zentralsten Partien von Webers Oper geschehen: Der Max von Stanislas de Barbeyrac ist praktisch in jedem Ton, der ein wenig Attacke verlangt, überfordert, Valdimir Baykov holpert durch die Partie des Kaspar, die Agathe von Johanni van Oostrum glaubt, nur mit viel Vibrato und immensem Druck selbst die ihrer Stimme ideal liegenden Lagen zu meistern, das Ännchen von Chiara Skerath hechelt permanent angestrengt, ohne einen Funken quirliger Leichtigkeit durch ihre Partie. Und allen gemeinsam: Dass hier deutsch gesungen wird, kann man allenfalls leise vermuten. Laurence Equilbey hat als Chorleiterin auf sich aufmerksam gemacht und mit ihrem «Accentus»-Chor schon mit zahlreichen CD-Produktionen nachhaltig überzeugt. Die Chöre sind auch hier klanglich das beste, allerdings leidet die Koordination zwischen Bühne und Graben bisweilen. Ihr «Insula Orchestra» spielt auf historischen Instrumenten. Das ergibt schöne Klangfarben, aber eine bezwingende Linienführung gelingt der Dirigentin zu oft nicht, allzu holprig klingt vieles und droht fast ständig in Einzelteile zu zerfallen. Die Bonus-DVD mit der szenischen Fassung dieses «Freischütz-Projects» zeigt dunkle Gestalten vor dunklem Hintergrund und einigen wenig erhellenden Video-Projektionen – mehr ist den Regisseuren der Compagnie 14:20 nicht eingefallen.

Reinmar Wagner

Weber: «Freischütz-Project». Stanislas de Barbeyrac, Valdimir Baykov, Johanni van Oostrum, Chiara Skerath, Insula Orchestra, Accentus, Laurence Equilbey. Warner 0190295 109547 (CD & DVD)

Ausgabe: 05 - 2021