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studio

die enttäuschung

Reinmar Wagner

Nicht alles, was im Beethoven-Jahr an Beethoven daherkommt, ist jubiläumswürdig. Von dieser Einspielung des Violinkonzerts hat man eigentlich schon genug, wenn die Orchestereinleitung vorbei ist: Breit, schwerfällig, uninspiriert spielt das Polish Chamber Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Wojciech Rajski. Natürlich muss man heute nicht um jeden Preis historische Instrumente und Originalklang bieten. Aber wenn man es nicht hat und ein derart viel gespieltes Werk aufnimmt, sollte interpretatorisch und klanglich doch ein wenig mehr geboten werden als eine lustlos routinierte, behäbige und rhythmisch zudem wenig präzise Beethoven-Visitenkarte. Und wenn dann der Solist Daniel Gaede einsetzt, wird der Eindruck nicht viel besser. Zwar verfügt der deutsche Geiger über einen schönen, runden Geigenklang und setzt den auch für einige schön gestaltete Piano-Linien ein, an anderen Stellen aber lässt er sich gerade klanglich einige uncharmante Floskeln durchgehen, die diesen positiven Eindruck wieder verwischen. So schleppt sich der Kopfsatz uneinheitlich dahin. Das Larghetto wird zum Larghissimo und fällt regelrecht auseinander und im Rondo überzeugen zwar die saubere Intonation und einige wiederum klanglich reizvolle Piano-Passagen, aber der insgesamt behäbige Gestus und eine gewisse klangliche Poltrigkeit im Orchester lassen auch hier keine Freude aufkommen. Man muss diesen Schusssatz nicht unbedingt schneller spielen, aber in diesem Tempo hätte man sehr viel mehr Gelegenheit, sich mit klanglicher Delikatesse auszuzeichnen. Besser gelingt Gaede und seinen zwei Brüdern das Es-Dur-Streichtrio op. 3, aber das rettet diese CD ebenso wenig wie Tacets SACD-Real-Surround-Technik.

 

Beethoven: Violinkonzert, Streichtrio op. 3.
Daniel Gaede (Violine), Polish Chamber
Philharmonic, Wojciech Rajski, Gaede-Trio.
Tacet S 246 (SACD)

Ausgabe: 03 - 2020