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studio

die enttäuschung

Reinmar Wagner

«Rivalry?» – zwar steht da ein Fragezeichen. Aber das macht es nicht besser. Die Schattenrisse von Mozart und Salieri, dazwischen zwei Boxhandschuhe: Wieder einmal wird die romantische Legende vom mittelmässigen Antonio Salieri aufgewärmt, der auf das Genie Mozart eifersüchtig ist und ihn möglicherweise sogar vergiftet haben soll. Diese «Amadeus»-Rivalität ist eine Erfindung der Romantik, die auf ein Drama von Puschkin zurückgeht. Salieri nämlich hatte es kein bisschen nötig, auf Mozart neidisch zu sein: Er stand als Hofkomponist in Wien auf der allerhöchsten Stufe der Karriereleiter. Aber diese konstruierte Rivalität ist es nicht, was enttäuscht an dieser CD, die Gegenüberstellung der beiden Zeitgenossen könnte ja durchaus aufschlussreich sein, und möglicherweise auch beleuchten, mit welchen Mitteln der erfolgreiche Hofkomponist sein Publikum damals nachhaltiger zu fesseln vermochte, als es Mozart gelang. Was enttäuscht, sind die Interpretationen, die sich das Prague Sinfonia Orchestra unter Christian Benda zuschulden kommen lässt: Rasant in den Tempi, dabei aber oft ungenau und verhaspelt, burschikos im Gestus, aber hemdsärmlig im Ausdruck, pastos in den Streichern, die Bläser oft bloss als Hintergrundfarben und unhomogen, wenn sie hervortreten. Da fehlt jeder Charme und jede Eleganz, die man auch auf modernen Instrumenten in einem durchaus historisch informierten Klangbild herausmodellieren könnte. Einziger Pluspunkt der CD: Ein Gemeinschaftswerk (!) von Mozart und Salieri für eine befreundete Sängerin, erst vor vier Jahren in der Prager Nationalbibliothek wieder entdeckt, und hier zum ersten Mal eingespielt. Eher harmlos zwar, aber ein deutliches Zeugnis dafür, dass sich die beiden eher geschätzt haben, als dass sie sich bis aufs Blut bekämpft hätten.

 

Ouvertüren und Orchestermusik von Mozart
und Salieri. Dagmar Williams (Sopran),
Prague Sinfonia Orchestra, Christian Benda.
Sony 190759 19592

Ausgabe: 05 - 2019