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studio

«Romanza». Anna Netrebko (Sopran), 
Yusif Eyvazov (Tenor).

 

die enttäuschung

Reinmar Wagner

Die Netrebko – eine Enttäuschung? Nicht wegen ihrer Stimme, ihr Sopranglanz ist ungetrübt, technisch gibt es an ihrem Gesang nach wie vor gar nichts auszusetzen. Eher an der Wahl ihrer Partner. Erwin Schrott war immerhin ein passabler Bariton, der jetzige Ehemann, der russische Tenor Yusif Eyvazov, kommt noch weniger an die Gesangskunst der Netrebko heran, eine Stimme, die fatal an Bocelli erinnert. Damit nicht genug, auch die Wahl des Repertoires wirft Fragen auf: Das Liebespaar hat sich nicht bei der Fülle an Duetten bedient, welche die Oper für ihre Stimmen anbietet, sondern für sich schreiben lassen: Alle Songs stammen vom in Russland populären Schlagerkomponisten Igor Krutoy – und erfüllen samt und sonders sämtliche Genre-Klischees: Streicher-Sauce, dezentes Pop-Schlagzeug, überladene Arrangements und vor allem schmachtende Melodik und harmonischer Kitsch à discretion. Jedes Lied designt, als ob es den Eurovisions-Song-Contest zu gewinnen gelte, und das 18 Mal. Und die Netrebko als Schlagersängerin ist auch nicht über alle Zweifel erhaben: Sie singt eigentlich alles mit dem exakt gleichen Hochdruck und sucht kaum Nuancen, die man ja auch in diesem Genre durchaus finden könnte. Wie Duett auch gehen könnte, zeigt die zweite CD mit aufgewärmten Ausschnitten aus den bisherigen diskografischen Taten der Netrebko.

Ausgabe: 11 - 2017