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studio

die entdeckung

Andrea Meuli

Mikalojus Konstantinas Ciurlionis? Ein völlig unbekannter Name bei uns. Doch für sein Heimatland Litauen hatte er schon immer seine Bedeutung. Nicht nur als Komponist, sondern ebenso als symbolistischer Maler, der ganz in die europäische Kulturszene der Jahrhundertwende hinein gehört. So studierte er bei Carl Reinecke in Leipzig, beschäftigte sich eingehend mit der Orchestration von Richard Strauss. Ciurlionis starb jung, bereits 1911, nicht einmal 36-jährig. Die vorliegende Einspielung ermöglicht eine Begegnung – erstmals restauriert in ihrer originalen Fassung – mit seinen beiden sinfonischen Dichtungen «Im Wald» und «Das Meer». Es ist eine schwelgerische Musik, ebenso üppig wie farbig instrumentiert, ganz dem Zeitgeschmack der Jahrhundertwende folgend. Modestas Pitrenas kostet mit dem Litauischen Nationalorchester alle diese Effekte bis in feinste Ziselierungen aus, ohne je zu überhitzen, zu dick aufzutragen. So werden wir mitgezogen in die Gedankenwelt eines universalen Künstlers an jener Schwelle zwischen romantisch verklärendem Rückblick und der beginnenden Moderne. Dieses kleine sinfonische Oeuvre eines vielseitigen Künstlers hat durchaus die Chance, ein heutiges Publikum zu erreichen. Und an orchestraler Attraktivität und Raffinesse fehlt es auch nicht. Eine mehr als nur kulturhistorisch lohnenswerte Begegnung.

 

Mikalojus Konstantinas Ciurlionis:
Orchesterwerke (Kestutis/Sinfonische
Ouvertüre; Im Wald, Das Meer/Sinfonische
Dichtungen). Litauisches Nationalorchester,
Modestas Pitrenas (Leitung)
Ondine 1344-2

Ausgabe: 07 - 2020