Syndicate content


studio

die entdeckung

Werner Pfister

Man mag es kaum glauben: Da nimmt ein Elitechor – der Kammerchor Stuttgart – Carl Friedrich Christian Faschs 16-stimmige Missa als Weltersteinspielung auf und veröffentlicht sie erst 13 Jahre später. So oder so, die Einspielung ist auch zum jetzigen Zeitpunkt eine kleine Sensation. Die Messe war seinerzeit sozusagen ein Leuchtturm im geistlichen Vokalrepertoire, allerdings nur sehr schwer aufzuführen. Fasch versuchte es wiederholt mit seiner Berliner Singakademie, doch die schafften das nicht. Auch Faschs Nachfolger, der Goethe-Intimus Carl Friedrich Zelter, versuchte es – zu schwierig. Hört man sich die Musik heute an, bleibt nur Staunen: über die Musik selber, die unglaublich zwischen damaligen Stilen oszilliert, und der Ausführung durch den Kammerchor Stuttgart. Wahrlich eine einzigartige Messvertonung: 16 Stimmen (solo besetzt) singen und jubilieren sozusagen um die Wette, und als wäre das nicht genug Gotteslob, schwingt sich im Laudamus te noch der Solosopran von Sarah Wegener äusserst koloraturgewandt und höhensicher über den Chor – ambitionierter geht es kaum. Wieviel religiöse Andacht dabei aufkommt, mag jeder Hörer für sich entscheiden; wichtig ist: Die Musik fasziniert. Ebenso das beigegebene Stabat mater von Domenico Scarlatti, das mit einer eher ausgefallenen 10er-Besetzung von vier Sopranen und je zwei Alt-, Tenor- und Bassstimmen auftrumpft. Herrlichster Barock, klangvielfältig und harmonisch immer wieder mit unerwarteten Wendungen aufwartend.

 

Fasch: Missa a 16 voci; D. Scarlatti:
Stabat mater. Kammerchor Stuttgart;
Leitung: Friedrich Bernius.
Carus 83.508

Ausgabe: 03 - 2020