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studio

die entdeckung

Walter Labhart

Im Unterschied zur ebenfalls 1927 uraufgeführten Zeit­oper «Jonny spielt auf» von Ernst Krˇenek hielt sich «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» von Jaromír Weinberger (1896–1967) weniger lang auf den Spielplänen. Obschon es die in 17 Sprachen übersetzte komische Oper nach ihrer Premiere in vier Jahren auf 2000 Aufführungen brachte, gehört sie längst nicht mehr zum internationalen Repertoire. Umso dankbarer muss man der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und ihrem leidenschaftlich engagierten Dirigenten Karl-Heinz Steffens für eine Weinberger gewidmete Neuerscheinung sein. Nebst den sechs Böhmischen Liedern und Tänzen für Violine und Orchester, deren lyrischer Klangzauber schlagartig gefangennimmt, und der stürmisch aufbrausenden Ouvertüre zur Oper «Die geliebte Stimme» enthält die CD die wirkungsvollsten Nummern aus «Schwanda, der Dudelsackpfeifer». Zu den vom Komponisten selber als Konzertstücke herausgegebenen Episoden «Polka & Fuga» treten nicht nur die fugierte Ouvertüre und der Volkstanz «Odzemek» hinzu, sondern auch der hinreissende «Furiant» und das Vorspiel zum zweiten Bild. Strebte Krˇenek in seiner Erfolgsoper zum Jazz und amerikanischen Modetänzen hin, so schlug sein böhmischer Kollege einen Rückgang zum Vorbild Bedrˇich Smetana und dessen komischer Oper «Die verkaufte Braut» ein. Der feurige Einsatz des rheinländischen Orchesters weckt Interesse für Weinbergers weit in die Ferne gerücktes Opernschaffen, das eine Renaissance verdient.

 

Jaromir Weinberger: Orchesterwerke.
Deutsche Staatsphilharmonie
Rheinland-Pfalz, Karl-Heinz Steffens.
cpo 777 513-2

Ausgabe: 01 - 2020