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studio

Allan Pettersson: 6. Sinfonie. 
Sinfonieorchester Norrköping, 
Christian Lindberg.

 

die entdeckung

Mario Gerteis

 

Wer hat hierzulande schon ein Werk Allan Petterssons gehört, der immerhin in seiner schwedischen Heimat als wohl bedeutendster Komponist im 20. Jahrhundert gilt? Das skandinavische Label BIS möchte mit hoch motivierten Aufnahmen Gegensteuer geben. Der aktuelle Beitrag ist der 6. Sinfonie gewidmet, an welcher Pettersson fast vier Jahre lang (1963–1966) arbeitete. Christian Lindberg, selber ein eigenwilliger Tonschöpfer, bohrt sich mit resoluter Entschlossenheit in seine Aufgabe ein. Denn der Komponist Pettersson, obwohl keineswegs ein Avantgardist und der (erweiterten) Tonalität vertrauend, macht es seinen Zuhörern nicht leicht. In insgesamt 17 Sinfonien – die erste und die letzte unvollendet – breitete Pettersson sein tönendes Weltbild aus. Es zeugt von radikaler Emotionalität mit schmerzlichem Bekenntnis-charakter. Man mag Spuren der Lehrer Honegger und Milhaud entdecken, auch an nordische Spätromantiker wie Sibelius und Nielsen denken und kann damit doch die sich einbrennende Faszination dieser Musik nur zum Teil erklären. Ein vegetativ wuchernder Kosmos mit Tendenz zu klagender Langsamkeit. Die meisten Sinfonien wie auch die Sechste sind einsätzig, ein einstündiges Gebilde, das kein Ende zu nehmen scheint. Da bleiben dem Hörer nur zwei Möglichkeiten: Er geht auf Distanz, weil er sich in diesem Tonwald nicht zurechtfindet, oder er lässt sich hineinziehen, wird Teilhaber an einem mächtig sich ausbreitenden Klangstrom.

Ausgabe: 12 - 2012