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studio

die entdeckung

Walter Labhart

Als Lehrer von Frank Martin trat er in der Fachliteratur bislang häufiger in Erscheinung als im Konzertsaal: Joseph Lauber (1864-1952) brachte es als Komponist immerhin auf rund dreihundert Werke – darunter sechs Sinfonien und sehr viel Kammermusik – und zum Ehrendoktor der Universität Neuchâtel, doch keine seiner noch so gehaltvollen Kompositionen vermochte ins Repertoire berühmter Interpreten einzugehen. Das hat sich jetzt mit der Beteiligung des Flötisten Peter-Lukas Graf im Trio für Flöte, Violine und Klavier (1936) geändert. Im fein ausbalancierten Zusammenspiel mit dem Geiger Thomas Wicky und dem Pianisten Carlos Gil-Gonzalo wird da eine Musik zu neuem Leben erweckt, die in ihrer wunderbaren Transparenz und Leichtigkeit an Pierné und andere Franzosen erinnert. Nachdem sich der Luzerner Lauber in Genf niedergelassen hatte, wo auch Richard Flury, Emil Frey und Henri Gagnebin zu seinen Kompositionsschülern zählten, nahm seine Schreibweise französische Züge an. Wie die von Graf mit sehr differenzierter Dynamik dargebotenen «Trois Humoresques» op.52 für Flöte solo zeugt auch die erste Violinsonate d-Moll op.4 hauptsächlich von der Verwurzelung in der deutschen Spätromantik. Des von stürmischer Dramatik und Leidenschaft erfüllten Finales wegen verdient das ausdrucksvoll gespielte Frühwerk durchaus, mit den Sonaten von Brahms, Franck und Lekeu verglichen zu werden. Einen heiteren Kontrast zu Laubers genialischem Wurf bildet das neoklassizistische Trio D-Dur für Flöte, Violine und Klavier von Henri Gagnebin.

 

Henri Gagnebin: Trio op.46 Joseph Lauber:
Sonate op.4, Trois Humoresques op.52, Trio
(1936). Peter-Lukas Graf (Flöte), Thomas
Wicky (Violine), Carlos Gil-Gonzalo (Klavier).
Gallo CD-1512

Ausgabe: 05 - 2018