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studio

die entdeckung

Walter Labhart

Die wenigen grösseren Klavierkompositionen von Georges Bizet stehen zu Unrecht immer noch im Schatten der Bühnenwerke. Seine «Variations chromatiques de concert» entstanden 1868 nur wenige Jahre vor dem Geniestreich «Carmen». Ebenso originell wie der virtuose Klaviersatz der Variationen ist auch deren Konzept. Das wie eine Zwölftonreihe aus einer chromatischen Tonfolge geformte Thema wird sieben Mal in c-Moll und sieben Mal in C-Dur verändert. Gewidmet ist dieses bereits von Glenn Gould eingespielte Meisterwerk dem Komponisten und Pianisten Stephen Heller. Kein Geringerer als Felix Weingartner gab die von ihm auch orchestrierten Variationen neu heraus. Zusammen mit Bizets eigener Konzerttranskription der ersten Suite «L‘Arlesienne», kleineren Werken wie dem brillanten Walzer op. 1, zwei Nocturnes und den «Chants du Rhin» legt der in Deutschland 
lebende Franzose Johann Blanchard die chromatischen Variationen in einer mustergültigen Interpretation vor. Wie schon in seiner Einspielung von Konzertetüden und der Sonate op. 21 von Cécile Chaminade beim selben Label beeindruckt Blanchard mit feinsten dynamischen Ab­stufungen bis zum geheimnisvollen Flüsterton. Mit 
einem Steinway Concert Grand Piano von 1901 steht ihm ein Instrument zur Verfügung, das auch den poesievollen «Chants du Rhin» in der Art von Liedern ohne Worte zugutekommt.

 

Bizet: Piano Works. Johann Blanchard (Klavier). MDG 904 2018-6

Ausgabe: 03 - 2018