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studio

Darius Milhaud: Streichtrio op. 274; 
Sonatine à trois, op. 221b, Bohuslav Martinu˚: Streichtrio Nr. 1, H 136; Streichtrio Nr. 2, H 238. Jacques Thibaud String Trio.

 

die entdeckung

Burkhard Schäfer

Streichtrios haben es nicht leicht – und das im doppelten Wortsinn. Denn erstens bedachten nur relativ wenige Komponisten die Gattung überhaupt, zweitens gibt es im Unterschied zum Streichquartett kaum (feste) Streichtrio-Formationen. Das in Berlin ansässige Jacques Thibaud String Trio macht da eine rühmliche Ausnahme. Und quasi mangels Masse blicken die drei Musiker bei ihren CD-Aufnahmen immer wieder lustvoll über den Tellerrand der kanonischen Gattungsbeiträge (von Mozart, Schubert, Beethoven und Reger…) hinaus auf weniger bekanntes Repertoire-Terrain. So auch im vorliegenden Fall. Milhaud und Martinu˚ sind nicht annähernd so berühmt wie Mozart oder Beethoven, haben aber genau wie diese beiden Klassikgötter auch Streichtrios komponiert – Milhaud ein einziges (unter diesem Namen), Martinu˚ immerhin zwei. Wobei das erste Trio des Tschechen seit den Tagen der Uraufführung (1924) verschollen war und erst 2005 in Kopenhagen wiederentdeckt wurde. Unter den Händen der Thibauds erfährt das Werk hier eine gloriose Auferstehung auf CD. Überhaupt scheint das Ensemble bei dieser von mediterranem Geist und französischer Clarté durchhellten Musik (auch Martinu˚ schrieb seine beiden Trios en France) zur Höchstform aufzulaufen. Messerscharf, kristallklar und luzide ist ihr Spiel, dabei farbintensiv wie eine kolorierte Postkarte aus der Provence. Es bereitet ein ebenso intellektuelles wie sinnliches Vergnügen, sich in diese Werke hineinzustürzen. Raffinée!

Ausgabe: 11 - 2017