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Bilder: Oper Leipzig/Tom Schulze

Ulf Schirmer: «Es gibt in Leipzig noch so etwas wie ein Bildungsbürgertum aus DDR-Zeiten.»

 

Ulf Schirmer über seinen Weg an der Oper Leipzig – bis hin zu einer Wagner-Totale in drei Jahren
Der Beharrliche
Seit 2009 ist Ulf Schirmer Generalmusikdirektor an der Oper Leipzig, zwei Jahre später kam die Verantwortung als Intendant hinzu. Werk für Werk baut er seither ein Repertoire auf, das seine Schwerpunkte bei Richard Strauss und Wagner hat. In dieser wie in 
der nächsten Spielzeit stehen integrale Aufführungen der «Ring»-Tetralogie an. Und 2022 will man gar den kompletten Wagner von den «Feen» bis «Parsifal» stemmen.

Andrea Meuli

«Das ist ja kein 
Jetset-Dirigieren hier»

M&T: Die Oper Leipzig ist so weitläufig, man kann sich glatt verirren! Sie sind der Herr über einen gewaltigen Kulturpalast aus der ehemaligen DDR …

Ulf Schirmer: … ja, er ist gewaltig! Und er hat in der Planungsphase die Leipziger auch irritiert. Denen war das alles zu gross, der Bau war von Ostberlin aus so geplant worden.

M&T: Es gab damals die Semperoper in Dresden ja nicht, die war noch eine Ruine.

Ulf Schirmer: Mir erzählen die Menschen hier immer wieder, das hätte viel mit Walter Ulbricht zu tun gehabt, weil der ja Leipziger war und Leipzig nicht nur als Messestadt zum Glänzen bringen wollte.

M&T: Herr Schirmer, wie mögen sich der Intendant Schirmer und der Dirigent Schirmer?

Ulf Schirmer: Die verstehen sich ausgesprochen gut! Zunächst war ich ja Generalmusikdirektor, und aus diesem Amt heraus hat sich alles ergeben. Das gibt dem Haus eine bestimmte Kontur für diese Jahre, was mir ganz wichtig erscheint.

M&T: Auch eine innere Ruhe?

Ulf Schirmer: Ich glaube schon. Auch für mich, was ich in meiner Berufsplanung alles auf Leipzig fokussiert habe. Das ist ja kein Jetset-Dirigieren hier …

M&T: Die Doppelfunktion als Generalmusikdirektor und Intendant signalisiert gegen aussen uneingeschränkte Handelsfreiheit. Ist das so? Oder sind Sie anderen Zwängen unterworfen?

Ulf Schirmer: In dem Ursache-Wirkungs-Verhältnis stecken wir alle, vom Baby bis zum Greis. Aber natürlich ist das Theater hierarchisch organisiert und hilft einem das Intendantenamt, etwas aus dem Geist der Partitur auch durchsetzen zu können.

M&T: Gibt es dennoch Situationen, in denen der Dirigent dem Intendanten Ulf Schirmer entgegen oder vielleicht sogar einmal auf die Füsse treten muss?

Ulf Schirmer: Das ist mir zu dramatisch formuliert. Tatsächlich ist es jedoch so, dass ich als GMD und Dirigent in allen Jahren hier am Haus hinter meinem Wollen und hinter manchen Wünschen zurückgestanden bin. Ich habe mich immer bemüht und werde mich weiter bemühen, dieses Amt des Intendanten als Sachwalter aufzufassen. Es ist ja nicht mein Haus! Schon vor zehn Jahren, als ich hier angefangen habe, sah ich Dinge, die ich geändert haben wollte und denen der Dirigent folgen musste. Erst in den letzten gut zwei Jahren habe ich – auf Drängen der Dramaturgie und der Operndirektorin – Werke dirigiert, die den Kreis erweitern, Alban Bergs «Lulu» etwa, die ich im Alleingang nicht angesetzt hätte. Davor hätte mich meine Vorsicht immer zurückgehalten – so gerne ich natürlich gerade auch diese Oper dirigiere!

M&T: Spiegelt die Ensemblebildung, die Sie in Leipzig ganz offensichtlich angegangen sind und fördern, Ihre Absicht, dem Haus eine Identität zu geben?

Ulf Schirmer: Schauen Sie, die Oper Leipzig ist ein städtisches Haus, ein von der Stadt finanziertes Theater. Diese Richtung habe ich von Anfang an vorgegeben, dass wir das bei allen Planungen nie aus den Augen verlieren. An solchen Häusern liebt es das Publikum, wenn es Menschen in verschiedenen Rollen auf der Bühne wiedererkennt. Das gilt auch für Dirigenten. Ich habe hier sofort begonnen, die Dirigentenstruktur völlig zu verändern und bin deshalb auf ein Kapellmeistersystem gegangen. Was ich jetzt ein wenig um Gäste erweitert habe, aber es sind immer Menschen und Künstler, welche das Publikum kennt, so es denn regelmässig ins Theater kommt.

M&T: Gibt es dieses regelmässig wiederkehrende Publikum?

Ulf Schirmer: Wir kennen unser Publikum ziemlich gut. Es gibt in Leipzig noch so etwas wie ein Bildungsbürgertum aus DDR-Zeiten. Das wird gepflegt, deswegen auch unsere ausgedehnte Familien- und Jugendlichen-Politik. Man bemüht sich, auch als Familie mit Kindern oder Enkeln in die Oper zu gehen und etwas weiterzugeben an kulturellem Erbe. Mein Eindruck ist, dass das mit grosser Bewusstheit geschieht.

M&T: Was eine ganz andere Publikumsperspektive als an jenen grossen Häusern ergibt, die eher auf Galabesetzungen an einigen wenigen Abenden setzen.

Ulf Schirmer: Diese andere Optik pflegen wir ja auch. So wie wir versuchen, Besetzungen von höchstem Niveau zu präsentieren. Aber immer als eine Ergänzung zu unserem Ensemble. Und es ist tatsächlich so, dass wir in unseren Besprechungen mit der Operndirektion, mit Dramaturgie und Marketing immer wieder die Stadt in unsere Überlegungen einbeziehen: Spricht das die Bürgerinnen und Bürgerinnen hier in Leipzig an? Das tun wir mit sehr grosser Inbrunst und Konsequenz.

M&T: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Musikalische Komödie?

Ulf Schirmer: Eine wichtige! Auch wenn es zwischen den beiden Häusern von den Mitteln her kein Gleichgewicht gibt, aber dieses Genre Operette und Musical ist ja enorm wichtig für den Theaterbetrieb. Und durch die Musikalische Komödie können wir das in höherem Masse anbieten, als wenn wir nur das Haus am Augustusplatz hätten. Immerhin spielt die Musikalische Komödie rund 150 Aufführungen im Jahr. Kommt hinzu, dass das Orchester dieses Hauses, welches ich sehr, sehr schätze, nun ja geradezu spezialisiert ist auf diese Musik – die haben eine unerhörte Wendigkeit bei einer grossen Entspanntheit. Man kann hier Operette auf dem höchsten Niveau hören, ich weiss nicht, ob das anderswo so abgedeckt ist.

M&T: Dirigieren Sie selber auch hin und wieder an der Musikalischen Komödie?

Ulf Schirmer: Noch gar nicht. Aber ich habe es vor. Weil ich das Orchester, das Haus und das Ensemble so schätze, will ich es aufs Äusserste herausfordern. Wirklich! Das habe ich vor ein paar Jahren schon angesagt, eigentlich weiss es jeder hier – (lachend) und alle haben es verdrängt …

M&T: Und was ist diese ganz besondere Herausforderung …?

Ulf Schirmer: Ich verrate nicht zu viel, wenn ich Ihnen sage, dass ich irgendwann im Kalenderjahr 2021 «Intermezzo» von Richard Strauss dort herausbringen will. Die Hausgrösse ist ideal für dieses Werk, doch das Stück ist enorm schwierig. Einfach nur ansetzen sollte man es nicht. Es muss an einem Haus ein grosses Interesse für Richard Strauss vorhanden sein. «Intermezzo» ist quasi ein Avantgarde-Stück, die erste Alltagsoper, Strauss hat das Genre erfunden. Und seine Kompositionsweise ist so komplex – es ist überhaupt nicht bloss eine Operette mit grösseren orchestralen Mitteln und einer komplexeren Harmonik. Das Werk zeigt Psychogramme wie in seinen anderen Opern, teilweise ein bisschen ins Humoristische gewandt. Aber das Stück droht immer, in absolute Tragik zu kippen. Das ist unheimlich und sagt uns etwas über die Brüchigkeit der zwanziger Jahre. Ich finde, es passt sehr gut in unsere Zeit.

M&T: Sie haben mit dem Gewandhausorchester ein erstklassiges Orchester am Haus. Wie muss man sich die Zusammenarbeit zwischen Oper und Konzertdirektion vorstellen? Welche Möglichkeiten und Mitsprache haben Sie gegenüber den sinfonischen Programmen?

Ulf Schirmer: Das werde ich ihnen ganz praktisch beantworten: Eine Türe weiter als mein Vorzimmer sitzt der zweite Gewandhaus-Orchestermanager Daniel Richwien, der mit einem Sondervertrag für einige Zeit pro Woche mein persönlicher Referent ist. Dadurch habe ich die Chance, täglich, stündlich mit ihm sämtliche Vorgänge zu diskutieren. Das Gewandhaus und die Oper, wir arbeiten eng zusammen. Es ist auch ungeheuer dicht und komplex, was es da zu diskutieren und zu klären gibt.

M&T: Damit im Konzert nicht Mahlers Dritte angesetzt wird, während bei Ihnen an der Oper der «Ring» geplant ist …

Ulf Schirmer: … das geht gar nicht. Die Grösse des Gewandhausorchesters erklärt sich daraus, dass es historisch drei Orte gleichzeitig bespielen soll. Und in der Tat bedeutet das manchmal so etwas wie höhere Mathematik. Insofern war es wichtig, dass ich die Oper dabei eingebracht habe, damit wir mit allen internationalen Betrieben zeitmässig auf Augenhöhe planen können. Das heisst, unsere Planungen gehen schon eine ganze Zeit um 2022. So weite Horizonte zu öffnen, ist mir mit meinen Mitarbeitern gelungen, indem wir einen so weit ausgreifenden Premierenspielplan vorgelegt haben. Dann wurde versucht, diese Termine mit dem Gewandhaus abzustimmen. Es hat vielleicht drei, vier Jahre gedauert, dass wir mit der Oper denselben Planungslevel erreicht haben. Das muss schon sein. Wenn das Haus diese Anforderungen nicht liefern kann, ist es verloren.

M&T: Die Oper mit ihren Bedürfnissen hat 
sich also nicht hinter das Gewandhaus anzustellen.

Ulf Schirmer: Überhaupt nicht. Es gibt ganz klare Absprachen. Ausserdem haben Gewandhausdirektor Andreas Schulz und ich einen sehr guten Draht. Wenn es irgendwo richtig kracht oder klemmt, dann setzen wir uns in einem Kaffeehaus zusammen – und sind bis jetzt immer mit einer Lösung herausgekommen. (lacht)

M&T: Ich schliesse daraus, dass das Opernorchester nicht die B-Abteilung des Gewandhaus-
orchesters ist …

Ulf Schirmer: Das ist seit dem Zeitalter der Computer überhaupt nicht mehr gegeben. Darauf werfe ich ein Auge und habe überdies selber den neuen Vertrag zwischen den beiden Institutionen verhandelt. Da findet ein fortwährender Turnus statt. Und so weit ich es überblicken kann, spielen die Kolleginnen und Kollegen sehr gerne in der Oper. Wozu sicher beiträgt, dass wir mittlerweile einen sehr bunten Spielplan bieten.

M&T: Sie haben in Ihrem Dirigentenleben ein sehr breit aufgefächertes Repertoire dirigiert und auch engagiert vertreten – von Mozart bis Lehár, von Wagner und Verdi bis Strauss und Braunfels. Was bringt Ihr Blut musikalisch am meisten in Wallung?

Ulf Schirmer: Das sind sehr verschiedene heisse Quellen … (lacht)! Ich bin ja beispielsweise auch begeisterter David-Bowie-Fan und denke viel über diese Musik nach, wenn ich sie höre. Durch meine Arbeit mit dem Gewandhausorchester bildet sich immer mehr heraus, dass das Werk von Richard Strauss für mich eine zentrale Bedeutung bekommt. Auch wenn das eigentlich schon mein ganzes Leben lang so war. «Elektra» konnte ich als 20-Jähriger spielen und singen, und es war mir immer klar, dass ich dieses Stück dirigieren wollte. So bin ich da reingekommen. Auch zu Wagner natürlich, meinem zweiten Schwerpunkt – daneben gibt es so viel anderes! Beinahe jedes Musikstück kann zu einer Quelle der Inspiration werden, der man sich hingeben will. Das kennen ja viele Musiker. Allein dieses immer wieder konzentrierte Zurückkommen und immer wieder Neugestalten – das habe ich in diesen Jahren am meisten doch bei Wagner und Strauss gefunden. Für den «Ring» habe ich sogar neue Partituren gekauft und studiere ihn jetzt szenenweise wieder ganz neu – das ist aufregend!

M&T: Ihre Repertoire-Schwerpunkte haben Sie erwähnt, hier in Leipzig dirigieren Sie als Chef aber auch Werke, bei denen der eine oder andere Kollege die Nase rümpfen würde. In dieser Spielzeit beispielsweise bei Puccinis «Fanciulla del West».

Ulf Schirmer: Ich kenne diese Haltung aus den siebziger Jahren, als ich in Hamburg studierte. So wie damals Musikwissenschaftler an den Hochschulen sprachen und argumentierten, galt Puccini tatsächlich als zweitklassig. Was nicht selten auf Unkenntnis und Engstirnig-
keit beruhte, wie überhaupt Oper oft als etwas Halbseidenes galt. Das hat sich grundlegend gewandelt, Puccini ist so ungeheuer modern! Ich bin jedes Mal hingerissen von der Formensprache dieser Musik, auch von den Klangfarben und von der Tiefe, wie Puccini Personen gesehen und musikalisch umrissen hat.

M&T: Ich denke, der Repertoire-Kanon der internationalen Opernhäuser hat sich in den vergangenen Jahren stark geöffnet. Sei es auf dem Feld der Barockoper, sei es gerade auch in das frühe zwanzigste Jahrhundert hinein – mit Schreker, Korngold, Braunfels und einigen anderen. Denken Sie, dass diese Komponisten und ihre Epoche noch an Bedeutung gewinnen?

Ulf Schirmer: Unbedingt. Wir können die Spielpläne vielfarbiger gestalten, wenn sich diese Werke durchsetzen, gleichzeitig arbeiten wir dadurch Geschichte auf. Es ist ja wirklich so, dass die Nazizeit Komponisten ausgelöscht hat. Und den Wiederaufbau in den fünfziger Jahren prägten Musikdenker wie Adorno, die – aus anderen strategisch ideologischen Überlegungen heraus – jemanden wie Braunfels gar nicht zulassen wollten, die ihrerseits vieles ausblendeten. Oder denken Sie an die DDR, was es da an Restriktionen gab! Das alles gilt es aufzuarbeiten – was ich mit grosser Freude, gleichzeitig aber auch vorsichtig und beharrlich angehe. Man muss wirklich dranbleiben.

M&T: Was zwingt sie zu Vorsichtigkeit?

Ulf Schirmer: Na ja, es wird allzu sehr mit Etiketten gearbeitet. Überall, wo «Entartete Musik» draufsteht ist sofort alles grossartig. Ich sehe die Gefahr, dass zu vieles mit diesem Label selig gesprochen wird. Vorsichtig daher, weil man überall hinschauen muss, ob ein Werk wirklich tragfähig ist – für uns heute.

M&T: Lassen Sie uns noch über Wagner sprechen. In Leipzig ja kein einfaches Thema – die Stadt hat sich immer schwer getan, sich als Wagner-Stadt zu profilieren. Warum ist das so?

Ulf Schirmer: Als wir 2013 «Die Feen» herausbrachten, tauchten etliche Menschen in die Archive ab und recherchierten. Dabei haben sie verschiedene Dinge freigelegt. Es kam heraus, dass Wagner durch die schroffe Ablehnung dieser Oper durch Leipzig als Neunzehn- oder Zwanzigjähriger eine schwere narzisstische Kränkung davongetragen hat. Das hat ihn völlig mitgenommen, und diese frühe tiefe Spannung reichte schon aus, um das Missverhältnis zu seiner Geburtsstadt zu erklären. Das ist eine Sache, in der DDR-Zeit gab es sicher ideologische Vorbehalte – wenngleich Wagner aufgeführt wurde. Joachim Herz eröffnete mit den «Meistersingern» das neue Haus und inszenierte hier auch den «Ring». Dennoch stellt man fest, dass zu verschiedenen Zeiten Blockaden da waren. Eine habe ich selber miterlebt, das war 1990 oder 1991. Damals war Udo Zimmermann Intendant an der Oper Leipzig, und wir sprachen in Bayreuth lange darüber, ob ich hier den «Ring» einstudieren sollte. Es ging bis in Vertragsdetails – nie wieder habe ich etwas gehört! Von da her hatte ich diesen Vorbehalt gespeichert und mich immer wieder gefragt, was die Gründe dafür gewesen sein könnten. Heute glaube ich, dass man sich mangels Übung an diesem Haus eine Riesenaufgabe wie den «Ring» einfach nicht mehr zutraute. Und als ich 2009 an das Haus kam, stellte ich fest, dass überhaupt keine Planungsvorläufe für das Wagnerjahr 2013 da waren.

M&T: Inzwischen haben Sie ja mächtig nachgeholt: der «Ring» steht auf dem Programm – und für 2022 haben Sie sich gar eine Wagner-Totale mit allen seinen Opern vorgenommen. Woher der Mut? Und wie ist dieses ambitiöse Projekt entstanden?

Ulf Schirmer: Zu Beginn meiner Intendanz hätte ich das nicht in meiner Fantasie je gedacht, das war überhaupt kein Ziel. Ein Schlüssel zu diesem Projekt war die Kooperation mit Bayreuth, mit den drei Frühwerken. Und als der «Ring» vollendet war, hatten wir mit den «Meistersingern» und «Lohengrin» schon sieben Opern im Repertoire. So begann ich ganz simpel nachzurechnen – welche Werke denn noch fehlten und ob das nicht eine Idee wäre. Das Projekt ist also ganz langsam aus sich selbst heraus gewachsen. Und jetzt steht die Planung! Wir werden mit den «Feen» beginnen und mit «Parsifal» aufhören – wir spielen die Werke in der Reihenfolge, in der sie uraufgeführt wurden, einzig im «Ring» geht das natürlich nicht.

M&T: Nun sind wir doch bei einem Projekt gelandet, mit dem Sie und das Haus sicher überregionale Bedeutung markieren wollen. Ein Widerspruch zu dem von Ihnen so pointiert formulierten engen Bezug zur Stadt und ihrem Publikum?

Ulf Schirmer: Vor meiner Zeit träumte man hier am Haus immer wieder von grosser überregionaler Bedeutung. Die können Sie jedoch nur haben, wenn Sie den Boden pflegen, auf dem Sie stehen, auf dem das Bäumchen wächst. Tatsächlich reisen inzwischen viel mehr internationale Besucher an, auch aus Übersee, für Wagner oder für Strauss. Darüber freuen wir uns natürlich, doch es ist kein Widerspruch. Unser Leipziger Publikum verlieren wir nicht aus den Augen. ■

 

«Der Ring des Nibelungen»

Oper Leipzig

6.–14. April 2019

1.–5. Mai 2019

Ulf Schirmer (Dirigent)

Rosamund Gilmore (Inszenierung)

Informationen und Karten:

www.oper-leipzig.de

Ausgabe: 03 - 2019