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Christian Weidmann, Orchestra della Svizzera italiana, Direttore artistico-amministrativo

OSI

 

Christian Weidmann, Orchestra della Svizzera italiana, Direttore artistico-amministrativo

1 Die Planung der nächsten Saison passiert im Grundsatz ganz regulär. Die vergangenen und gegenwärtigen Erfahrungen mit COVID sind, simpel formuliert: Wir wissen, dass wir nicht wissen, wie es weitergeht. Sie versetzen uns in einen permanenten Bereitschaftsstatus, flexibel, konstruktiv zu sein und mit Optimismus von der Planung abzuweichen. Im Endeffekt bedeutet das nichts anderes, als dass wir uns darin üben, ein neues Timing für den Entscheidungsprozess zu finden. Bisher war klar, wann was entschieden werden muss, um die weiteren Schritte zum künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg einzuleiten. Heute allerdings müssen wir den optimalen Entscheidungszeitpunkt erst noch heraus spüren. Ein Beispiel: Wir wissen heute noch nicht, wann wieder Publikum im Saal zugelassen sein wird, und wie viele Leute dies dann sein werden. Wir wissen, dass wir unsere Abonnemente wieder verkaufen wollen und müssen, aber wir wissen noch nicht, wann der richtige Zeitpunkt dafür sein wird – wann wird das Publikum bereit sein, sich für ein Abo zu entscheiden?

2 Lapidar formuliert: solange das Geld reicht. Galgenhumor beiseite: Die Improvisation bietet zahlreiche Chancen. Die Administration wird flexibler, die Musiker werden offener, das Publikum wird verständnisvoller. Das sind lauter Schlüsselkompetenzen, die mich positiv stimmen – es wird uns gelingen, daraus die richtigen Lehren zu ziehen. Wir sind ein kreatives Business – die Kreativität wird uns helfen, aus dieser Unsicherheit neues Kapital zu schlagen.

3 Bereits seit fast einem Jahr wissen wir, dass zumindest die unmittelbare Zukunft ungewiss ist. Der notwendige Lernprozess, um die Zukunft zu meistern, hat uns somit in den vergangenen Monaten nicht ganz unvorbereitet gefordert. Vergessen wir nicht: Die Planung für einen künstlerischen Betrieb war schon vor Covid von Pragmatismus geprägt: Es geht ständig darum, aus knappen Mitteln das Bestmögliche herauszuholen. Ist Kreativität nicht genau das?

4 In der aktuellen Situation gilt es weiterhin, offen, transparent und ehrlich mit unserem Publikum zu kommunizieren. Gleichzeitig sind wir auf der Bühne – für unsere Radiodirektübertragungen und Video-Livestreams, welche uns seit August bis auf zwei Ausnahmen ermöglichen, all unsere geplanten Konzerte durchzuführen – stets auf der Hut, und passen unser Schutzkonzept fortlaufend den aktuellen Entwicklungen an. Ich bin überzeugt, dass unser Publikum unsere Anstrengungen zur Herstellung der grösstmöglichen Sicherheit für unsere Musikerinnen und Musiker erkennt und vertraue darauf, dass uns das Publikum auch vertrauen wird, wenn Konzerte «dal vivo» dann wieder erlaubt sein werden.

5 Es ist einfacher geworden, mit den Künstlern über die Rechte für einen Live-Stream, vor allem aber auch für das «Video on demand» zu verhandeln. Der Mehrwert der digitalen Zugänglichkeit unserer Konzerte weltweit wird auch von den Künstlern zunehmend erkannt und geschätzt. Ich denke, dieser positive Effekt wird auch nach Corona weiterwirken.

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