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Benjamin von Blomberg / Nicolas Stemann, Intendanten Schauspielhaus Zürich

Gina Folly

 

Benjamin von Blomberg / Nicolas Stemann, Intendanten Schauspielhaus Zürich

1 Wir werden viele Premieren, die wir aufgrund von Corona in dieser Spielzeit nicht aufführen oder zu Ende proben können, in der nächsten ansetzen. Das Modell mit unseren festen Hausregisseuren und einem fixen Ensemble bewährt sich jetzt besonders. Wir werden auf jeden Fall mehr Stücke im Spielplan haben. Das hat damit zu tun, dass wir in der Spielzeit 20/21 lange vor 50 Besucher*innen gespielt haben. Diese Produktionen haben längst noch nicht ihr Potenzial ausgeschöpft, es wäre verschenkt, diese beliebten Inszenierungen nicht weiter zu spielen. Gleichzeitig wissen wir alle nicht, ob es nicht naiv ist, von einer ganz normalen nächsten Spielzeit auszugehen. Und diese arme Zukunft, in die alles verschoben wird, bricht auch irgendwann zusammen unter all den Erwartungen. Aber bislang sind wir zuversichtlich!

2 Die Arbeitssysteme und Automatismen die vor Corona funktionierten, gelten derzeit nicht. Es ist interessante Erkenntnis aus der Corona-Krise, wie schnell es dem Betrieb mit vereinten Kräften gelang, die planerischen Vorläufe deutlich zu reduzieren. Eine improvisierte Planung stellt sehr hohe Herausforderungen an die gesamte Belegschaft, aber noch stemmen wir es und sind zuversichtlich.

3 Wie unter 1 bereits beschrieben, werden wir auch fertige oder fast fertig geprobte Produktionen aus der aktuellen Spielzeit in die kommenden übernehmen und werden somit Produktionskosten verringern. Für die Budgetierung der kommenden Spielzeit müssen wir davon ausgehen, dass wir wieder vor Publikum spielen und Einnahmen aus Ticketverkäufen/Vermietungen und Gastspielen erwirtschaften. Sollten diese Einnahmen wegbleiben, muss dies angepasst werden. Bis zum Ende des Jahres 2021 gibt es die Absicherung durch die Ausfallentschädigung durch den Kanton, wo das Schauspielhaus ggf. bei pandemiebedingten Einnahmeausfällen einen Unterstützungsantrag einreichen kann.

4 Wir haben seit Beginn der Corona-Krise ein sehr gutes Schutzkonzept sowohl für unser Publikum wie auch für unsere Mitarbeitenden, dieses wurde und wird kontinuierlich angepasst und kommuniziert. Die Massnahmen wie Platzierung mit Schachbrettmuster, Maskenpflicht, keine Bewirtung sowie unsere hervorragende Lüftung (mit ständiger Frischluftzufuhr) sorgten für Vertrauen. Das Sicherheitsgefühl, als wir anfangs noch für 300 und später dann für 50 Menschen spielen durften, war gross, kein Platz blieb je leer. Wenn derzeit auch «nur» schriftlich, telefonisch und vor allem mit unseren digitalen Programmen: Wir sind mit unserem Publikum in stetem Kontakt und Austausch und lesen, hören und spüren, wie sehr sich unsere Zuschauer*innen wieder nach «echten» Vorstellungen und Begegnungen sehnen. Schutz, Vorsicht und Rücksicht werden immer Priorität haben, daher gibt es keinen Grund für Angst, nur für Vorfreude.

5 Nein, es ist bisher nicht geplant, unsere Verträge mit dem Ensemble zu verändern. Wie Gastverträge mit freien Künstlern in Zukunft aussehen werden, entscheiden nicht wir alleine. Das ist Thema einer ganzen Branche und wird im Moment von Fachleuten diskutiert. Das Arbeitsrecht und die Bestimmungen des Gesamtarbeitsvertrags setzen der Vertragsgestaltung jedoch enge Grenzen, sodass nicht mit wesentlichen Änderungen zu rechnen ist.

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