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Ausgewählte Programm-Höhepunkte des 35. Davos Festivals 2020

Ausgewählte Programm-Höhepunkte des 35. Davos Festivals 2020

• Sonntag, 2. August: Das Barockensemble Cardinal Complex zelebriert unter der Leitung des Cembalisten Matías Lanz den musikalischen Wahnsinn. Der Altus Flavio Ferri-Benedetti singt furiose Kantaten und Arien von Händel und Strozzi. Im Zentrum stehen dabei die grossen Wahnsinnsszenen aus Händels Opern Tolomeo, Orlando und seinem Oratorium Hercules. Untermauert und kontrastiert werden diese Szenen vom wohl berühmtesten Barock-Standard überhaupt: der «Follia», sowie von Werken des im 17. Jahrhundert besonders beliebten, oft mit schrägen Kontrasten aufwartenden Stylus fantasticus.

• Dienstag, 4. August: Das Delta Piano Trio hat sich mit seiner rohen, kompromisslosen Musikalität, seiner Energie und der Bereitschaft, sich über den Komfort hinaus zu investieren, einen Namen gemacht. Julian Barnes zeichnet in seinem biografischen Roman «The Noise of Time» ein differenziertes und menschliches Bild von Schos­takowitsch, der während seines ganzen Lebens immerzu mit Diktaturen und Zensur zu kämpfen hatte. Die einzelnen Sätze seines zweiten Klaviertrios werden durch Bachs Duette für Cembalo unterbrochen, die Übergänge zu den Lesungen aus Barnes Roman schaffen. Der Schweizer Schauspieler Elias Reichert übernimmt dabei den Part des Sprechers.

• Samstag, 8. August: Museumskonzert mit Kaffeekränzchen.Tuba, Horn und Violine erklingen vor den Bildern und Skizzen Ernst Ludwig Kirchners. Folkloristische Musik kontrastiert mit Arrangements für Blechbläser. Bach trifft auf Osteuropa. Die Räume des Kirchner Museums Davos bieten den atmosphärischen Rahmen einer etwas anderen Konzertbühne, die Kontraste produziert und Brücken schlägt. Zwischen den musikalischen Sequenzen tritt die aktuelle Ausstellung zu Kirchners Skizzenbücher, in denen der Künstler mit wenigen präzisen Strichen ganze Szenerien einfing und zeichnend Tagebuch führte, in den Vordergrund. Im zweiten Teil spielt das Colores Trio bei einem Kaffeekränzchen draussen im Skulpturenpark des Museums.

• Dienstag, 11. August: Slam Poetry vs. Kunstlied. Ein musikalisch-literarischer Abend mit Wettbewerbscharakter. Poetry Slams, bei denen Poeten mit ihren literarischen Texten zu meist gesellschaftsrelevanten Themen gegeneinander antreten, wurden in den letzten Jahren immer beliebter. Auch das Kunstlied behandelt typische Themen wie Sehnsucht, Liebe und Herkunft. In diesem Konzert treten zwei Liedsänger gegen zwei Slampoetinnen an. Ein Ort des kreativen Austauschs auf und vor der Bühne. Wie beim Poetry Slam üblich, kürt das Publikum den Sieger oder die Siegerin. Als Preis winkt eine Flasche Whisky.

• Donnerstag, 13. August: Unsinn & Leichtsinn – Ein Abend zum Lachen und Staunen. Musik kann oftmals sehr ernst daherkommen. Unsere Konzerte sind geprägt von einem rituellen Ablauf und unausgesprochenen Konventionen. Sobald sich Komponistinnen und Komponisten jedoch einem vergnüglichen Thema widmen, sehen sie sich rasch dem Vorwurf ausgesetzt, dass amüsante Musik nicht ernst genommen werden kann. Wenn Cage in seiner Living Room Music mit Alltagsgegenständen spielt, ist das dann noch Musik oder schon Klamauk? Wenn der Rabe bei Tischhauser bis zum bitteren Ende «KM 21» schreit, ist dies aufgesetzt, oder verbirgt sich hinter der Maske des Humors auch eine ernsthafte Botschaft? Im Konzert zum Thema Unsinn musiziert der Kammerchor den poetischen Zyklus «Das Nasobem» nach Texten von Christian Morgenstern. Unser hochkarätiges Holzbläserquintett trumpft mit dem unterhaltsamen Quintett La cheminée du roi René von Darius Milhaud auf. Im Anschluss lässt der junge Westschweizer Organist Guy-Baptiste Jaccottet die Kunst der Orgel­improvisation aufleben und untermalt den bekannten Stummfilm «The Navigator» von Buster Keaton.

• Samstag, 15. August: Im Schlusskonzert treffen die Camerata und der Kammerchor erstmals aufeinander und musizieren gemeinsam das «Schicksalslied» von Johannes Brahms. Vor allem in Zeiten der Coronakrise fragt man sich vermehrt, was man als Einzelperson auf diesem Planeten eigentlich bewirken kann und wie übermächtig die Natur doch ist. Im ersten Teil erklingt das fesselnde Streichquartett «Der Tod und das Mädchen» von Franz Schubert. Das Simply Quartet ist ein chinesisch-norwegisch-österreichisches Streichquartett, das sich gerade einen festen Platz in der klassischen Musikszene erspielt. Ergänzend singen Judith Werner und Serafin Heusser Werke von Schubert und Kreisler, bevor das Holzbläserquintett mit dem Pianisten Frederic Bager den silbrig-schimmernden «Mecanic Song» des Franzosen Thierry Escaich spielt.

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